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    Warum die #metoo-Aktion und die Debatte um sexuelle Gewalt so wichtig sind

    Seit gestern dominiert ein Hashtag meine Timeline: #metoo.

    Zwei Wörter nur – und doch steckt so viel dahinter. Geschichten von Tausenden Mädchen und Frauen, die sexuell belästigt, bedrängt oder vergewaltigt wurden. Von Fremden, Bekannten, Männern aus ihrem nächsten Umfeld. All das passiert tagtäglich. Und überall auf der Welt.

    Die Debatte ist nicht neu. Seitdem die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein laut wurden, nimmt sie allerdings ein neues Ausmaß an. Die „Charmed“-Darstellerin Alyssa Milano hat deswegen mit dem Hashtag #metoo dazu aufgerufen, laut zu werden, die Öffentlichkeit zu suchen.

    Auch ich habe den Hashtag gestern in meiner Insta- und Facebook-Story geteilt. Warum? Ich selbst habe auch derartige Erfahrungen gemacht – leider wie viele Freundinnen und Bekannte von mir.

    Wieso ich bisher kaum darüber gesprochen habe? Ich weiß es nicht.

    Wie der Journalistin Fiona Weber-Steinhaus (sie teilte heute auf Facebook ihre Erfahrungen) fehlte mir bisher womöglich der Anreiz. Weil ich es verdrängt habe. Weil es mir peinlich war. Weil es mir nicht wichtig genug erschien gegenüber anderen, denen Schlimmeres widerfahren ist. Ich habe die Hölle auf Erden nie erlebt, ich wurde nie vergewaltigt.

    Allerdings wurde ich unzählige Male

    • darauf angesprochen, wieso ich denn nicht lächle,
    • bei Menschenansammlungen „aus Versehen“ am Hintern begrapscht,
    • beim Tanzen am Hintern begrapscht,
    • dumm und plump angemacht – „Sex?!“, war dabei noch eine harmlose Frage,
    • von fremden Männern begafft, wenn ich einen kürzeren Rock oder ein T-Shirt mit (leichtem) Ausschnitt anhatte.

    Hinzu kommen die Abende, an denen ich mich von fremden Typen verfolgt und nicht sicher gefühlt habe.

    Ich erinnere mich an einen Typen in Marokko, der mich auf der dreistündigen Zugfahrt ohne Unterbrechung angeschaut hat. Ja, das mag ein anderer Kulturkreis sein, blabla. Macht’s nicht besser. Ich habe mich so unwohl gefühlt, wusste nicht, wie ich reagieren sollte.

    Dann gab es diesen Typen, der mich im Club einfach abgeknutscht hat, ohne dass ich etwas dagegen hätte tun können.

    Oder diesen anderen Typen, der mit mir Tequila trinken wollte und mir (ungefragt!) die Zitrone an den Hals rieb und ableckte. Ekelhaft.

    Nur, weil ich mich mit jemandem unterhalte oder etwas trinke, heißt das nicht, dass ich (sexuell) interessiert bin.

    Eines der schlimmeren Erlebnisse: Neujahr, 2013. Ich sitze in der S-Bahn von Unterschleißheim nach München, warte darauf, dass sie abfährt. Von draußen starrt mich ein Typ an. Er zieht die Hose herunter und fängt an, sich selbst zu befriedigen. Mir wird heute noch schlecht, wenn ich daran denke.

    Dabei habe ich nichts gemacht. Es ist nicht meine Schuld.

    Und es ist nie die Schuld der Opfer – kein Rock kann so kurz sein, keine Frau so betrunken, dass sexuelle Gewalt – egal, in welcher Form –, gerechtfertigt wäre.

    Ereignisse dieser und schlimmerer Art passieren jeden Tag, weltweilt.

    Wir müssen aufhören, diese Geschichten für uns zu behalten, weil wir uns dafür schämen. Wir müssen aufhören, sie zu verdrängen. Wir müssen aufhören, wegzuschauen. Wir müssen eingreifen, laut werden.

    Erzählt eure Geschichte. Macht auf das Thema aufmerksam.

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