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    Ein Wintertag in Stade

    Der Schnee weht auf meinen Mantel, den Rucksack, die Kamera, in mein Gesicht, als ich in Stade ankomme. Ein Grad zeigt mir meine Wetter-App an.

    Winterwonderland in Stade

    Wirklich viel über Stade wusste ich bis heute nicht. Nur, dass die Stadt mal zur Hanse gehört hat. Und dass es ganz schöne Fotomotive gibt – denn so bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, herzufahren: In meinem Feed auf Instagram tauchten ab und zu Bilder von Stade auf. Genauer gesagt, vom Fischmarkt.

    Schneebedeckte Straßen in Stade

    Also bin ich hingefahren. Rund 50 Minuten dauert es mit dem Zug ab Hamburg – perfekt also für einen Ausflug.

    Schneebedecktes Stade

    Außer mir sind nur wenige Menschen unterwegs; manche tragen einen Schirm, um sich vor dem Schnee zu schützen. Die Straßen sind glatt, meine Schuhe rutschen auf dem Kopfsteinpflaster. Es macht mir nichts aus.

    Gässchen in Stade

    Ich mag diese kalte, klare Winterluft; ich finde es schön, den Schnee zu spüren, draußen zu sein.

    Die vergangenen Wochen wollte ich schon so oft einen Ausflug machen, einfach rausfahren, mich treiben lassen.

    Bei einem Brand sin 1659 zwei Drittel der Häuser abgebrannt. Viele stehen unter Denkmalschutz

    Ich habe sogar ein Buch mit Ausflugszielen rund um Hamburg gekauft; zugeben, dabei habe ich mich ein bisschen alt gefühlt. Aber ich will mehr von Hamburg kennenlernen, von der Umgebung.

    Irgendwie hat es dieses Jahr davor nie geklappt – ich bin zu spät aufgestanden, wollte Freunde treffen, musste irgendwas erledigen, Wäsche waschen, den Haushalt schmeißen, arbeiten. Wie das halt so ist.

    Bunte Hausgiebel in Stade

    Aber jetzt, jetzt bin ich hier.

    Die Stadt sieht schneebedeckt noch pittoresker aus, als ich sie von Fotos kenne.

    Postgebäude

    Ich folge den schwarzen Schildern, darauf stehen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt: das Rathaus, die Kirche St. Cosmae et Damiani, die Kirche St. Wilhadi, das Zeughaus, das Hahnentor, das Kunsthaus, das Museum Schwedenspeicher und so weiter. Ein paar Stationen davon klappere ich ab, ansonsten vertraue ich auf meine Intuition, gehe mal linkslang, mal rechts.

    Am Fischmarkt

    Mir geht es nicht darum, alles gesehen zu haben. Ich will die Stadt auf mich wirken lassen, suche Fotomotive.

    Eine der Kirchen

    Als es zu kalt wird, gehe ich ins Kunsthaus; dort werden gerade Installationen, Fotografien und Filme von Thorsten Brinkmann ausgestellt, »Life is funny, my deer«. Ich finde sie überwiegend seltsam und kann nicht viel damit anfangen – was schade ist, denn eigentlich klang das vielversprechend. Brinkmann versucht, Körper und Objekte zusammenkommen zu lassen, er arbeitet hauptsächlich mit Alltagsgegenständen wie Schuhen oder Besteck.

    Kunsthaus

    Aber irgendwie spricht mich seine Kunst nicht an. Die wenigen anderen Besucher anscheinend auch nicht – niemand von ihnen schaut seine Filme komplett an.

    Das Ticket für das Kunsthaus kostet 8 Euro, damit hat man aber auch Eintritt in den Schwedenspeicher. Den schaue ich mir danach an; das Museum ist mit sehr viel Liebe fürs Detail gestaltet, die Geschichte der Stadt wird mit verschiedenen Medien erzählt.

    Museum Schwedenspeicher

    Danach setze ich mich für eine Weile ins Café im Goebenhaus; es ist sehr voll, ich setze mich irgendwo dazu. Der Preiselbeerkuchen ist lecker, vom Milchkaffee hatte ich mir mehr versprochen.

    Kaffee und Kuchen im Goebenhaus

    Ich schlendere noch eine große letzte Runde durch die Stadt. Inzwischen hat es aufgehört zu schneien, teilweise ist der Schnee sogar schon etwas geschmolzen. Wieder habe ich die Straßen überwiegend für mich allein.

    Das Goebenhaus (in der Mitte, mit weißem Schirm)

    Zwischen den Häusern

    Vogel und Häuser

    Es tut gut – die Ruhe, aber auch, allein zu sein und nur das zu machen, was ich gerade will.

    So lange ein Motiv zu fotografieren, bis ich mit der Perspektive, dem Licht zufrieden bin. Länger im Museum vor einer Infotafel stehen bleiben zu können und die andere, die mich nicht interessiert, einfach auszulassen – und dabei auf niemanden warten zu müssen, es niemandem recht machen wollen. Im Café zu lesen. Noch einmal eine größere Runde zu gehen, obwohl ich schon seit Stunden nichts anderes tue. Die kleinen Details wahrnehmen.

    Am Fischmarkt

    Viele können das nicht verstehen, dass ich Ausflüge alleine mache oder auch mal allein ins Kino gehe. Aber wieso nicht? Ich bin gern allein, ich liebe diese Freiheit. Genauso gerne verbringe ich aber auch Zeit mit Freunden oder meiner Familie.

    Auf dem Weg zurück zum Bahnhof

    Nur manchmal, da bin ich gern für mich.

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