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Anders Reisen: AirBnB

Im Juli war ich für ein verlängertes Wochenende mit meiner Schwester in Kopenhagen. Wir wohnten in einer schönen 2-Zimmer-Wohnung, die wir davor über AirBnB gebucht hatten. AirBnb testete ich bereits 2013 in Paris. Heute möchte ich diese Erfahrungen mit euch teilen.

Was ist AirBnb überhaupt?
AirBnB ist eine Plattform, auf der Privatpersonen ihre Wohnung – oder auch nur ein Zimmer davon – für ein paar Tage (oder auch Wochen) an andere vermieten. In den jeweiligen Anzeigen findet man zudem Fotos und Informationen, wie die Unterkunft ausgestattet ist: Also für wie viele Personen sie sich eignet, ob es WLAN oder einen Fernseher gibt, ob man kochen kann usw. Zusätzlich können Mieter und Vermieter sich gegenseitig bewerten – in den Bewertungen erhaltet ihr schon einmal ein paar erste Infos.

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Ausblick in Paris

Wie funktioniert AirBnB?
Im Prinzip ist das ganz simpel: Man gibt auf der Website gewünschte Destination, Reisezeitraum, Art der Unterkunft (ganze Unterkunft, Privatzimmer, Gemeinschaftszimmer) und den Höchstbeitrag ein, den man bereit ist zu zahlen. Der Preis versteht sich immer pro Nacht für die ganze Unterkunft – es ist also egal, mit wie vielen Personen ihr anreist. Allerdings kann man manche Unterkünfte nur mieten, wenn man mehrere Nächte bleibt – im Schnitt so 3-4 Nächte. Wenn ihr eure Wunsch-Unterkunft gefunden habt, nehmt ihr mit dem Vermieter Kontakt auf und stellt eine Anfrage. Dafür müsst ihr euch anmelden. Ja, dann heißt es erst einmal abwarten, ob eure Anfrage akzeptiert wird und schon kann’s losgehen.

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Die Aussicht aus unserem Wohnzimmer in Kopenhagen

Warum sollte ich über AirBnb eine Unterkunft mieten und nicht ins Hotel oder Hostel gehen?
Das Gute daran ist, dass man in einer vollausgestatteten Wohnung unterkommt und zum Beispiel auch mal kochen oder Wäsche waschen kann. Und dennoch ist man – anders als im Hostel – ganz für sich (vorausgesetzt, man wählt eine ganze Unterkunft aus). Außerdem erhält man einen kleinen Eindruck davon, wie die Einheimischen leben. Meistens ist das Ganze auch günstiger, als wenn man in ein Hostel oder Hotel gehen würde.

Sonnenaufgang in Paris

Sonnenaufgang in Paris

Wie sicher ist das Ganze?
Eigentlich sehr sicher. Wie bereits erwähnt, erhält jeder Mieter und Vermieter vom anderen eine Bewertung. Die Bewertungen kann man dann auch unter dem Inserat lesen. Die Kommunikation mit dem Vermieter sollte am besten ausschließlich über AirBnb laufen. Notfalls kann man sich an das AirBnb-Team wenden. Im schlimmsten Fall kann man auch sein Geld zurückverlangen (bis auf die Gebühr). Der Vermieter ist über eine Kaution abgesichert, die er im Worst Case behält. In der Regel wird die euch aber nicht abgezogen.

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Frühstück in Kopenhagen mit selbstgebackenen Brötchen unserer Gastgeber

Kann ich auch meine eigene Wohnung bei AirBnb anbieten?
Auch das geht. Wie genau das allerdings funktioniert, kann ich euch nicht erzählen. Das habe ich noch nicht ausprobiert. Ich weiß auch nicht, ob ich meine Wohnung anbieten würde – erstens, weil es gerade eh nicht geht (wohne ja in einer WG) und zweitens, weil ich dann erst mal meine ganzen privaten Sachen (Tagebücher, Fotos usw.) wegpacken müsste. Ich habe kein Problem, Couchsurfer bei mir aufzunehmen. Aber ich fänd’s glaub schon etwas komisch, wenn jemand ohne meine Anwesenheit in der Wohnung wäre und meine ganzen Sachen durchwühlen könnte. Vielleicht ja irgendwann mal, wenn ich eine eigene Wohnung habe – mit Möglichkeit, meine privaten Dinge in einem Schrank oder so einzuschließen.

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So und jetzt einmal zu meinen persönlichen Erfahrungen. Wie geschrieben, war ich 2013 in Paris. Wir wohnten super zentral in einer schicken Dachwohnung – gleich gegenüber vom Palais Royal, zu Fuß war man in fünf Minuten am Louvre. Natürlich hatte das Ganze auch seinen Preis: Damals zahlten wir insg. 80 Euro pro Nacht (der Preis hat sich seitdem auf 100 Euro/Nacht erhöht). Aber wenn wir ein Hotelzimmer genommen hätten, wären wir wahrscheinlich auch nie unter 40€/pro Person gekommen. Und so zentral hätten wir vermutlich auch nie gewohnt.

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Die Wohnung war etwas abenteuerlich. Zum einen, weil sie zwei Adressen hat und wir erst einmal etwas verwirrt waren, wo sie denn jetzt liegt. Der Grund für die zwei Adressen: Man kommt über eine Vorder- und eine Hintertür ins Haus. Zum anderen war es abenteuerlich, weil die Wohnung ganz oben lag und die Treppen immer steiler und enger wurden. Und weil die Toilette außerhalb der Wohnung auf dem Flur war. Aber dennoch war ich froh, dass wir uns für diese Wohnung entschieden hatten. Denn: Sie hatte eine kleine, feine Dachterrasse mit Blick auf den Palaias Royal und fabelhaften Sonnenauf- und Untergängen. Hach!

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Und sie war richtig, richtig gemütlich. Es gibt eine kleine Küche, eine große Dusche (mitten in der Wohnung, also eher was für Paare oder sehr gute Freunde, haha) und ein Bett, das man über eine Treppe erreicht (schwer zu erklären, vielleicht wird es aus den Bildern ersichtlicher; betrunken wäre ich da eher ungern hoch). Unser Gastgeber, Thomas, war sehr nett und ein bisschen verrückt – aber auf eine positive Art. Das Lustige war: Thomas schenkte uns zur Begrüßung etwas Obst und eine Flasche Wein – und obwohl wir im Land des Weins waren, gab es in der gesamten Wohnung keinen Flaschenöffner. So fanden wir in der Wohnung dafür aber eine Menge anderer Sachen: zum Beispiel eine Tüte Chips in der Mikrowelle und eine Schublade voller Kondome – weißte Bescheid.

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Durch die super Lage konnte man das meiste fußläufig erkunden – perfekt also für einen Städtetrip. Lediglich nach Montmartre fährt man besser mit den Öffentlichen. Ich würde die Unterkunft also auf jeden Fall weiterempfehlen, auch wenn sie jetzt leider etwas teurer ist. Aber es ist genauso schön wie auf den Fotos, sie ist super zentral, Thomas ist ein lustiger Typ und man hat alles, was man braucht. Am besten man geht im Frühjahr, Sommer oder frühen Herbst hin, sodass man die Dachterrasse noch ausgiebig nutzen kann.

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Unsere Wohnung in Kopenhagen lag etwas außerhalb vom Zentrum, genauer gesagt in Amagerbro. Man kommt aber in circa 15 Minuten mit dem Bus zum Hauptbahnhof. Der große Vorteil: Zu Fuß kann man in etwa 20 Minuten ans Meer laufen. Das war uns auch so wichtig an der Unterkunft, also, dass wir schnell am Meer und in der Stadt sind. Außerdem kommt man recht schnell nach Dragør, ein schönes Städtchen an der Südspitze der Insel Amager (Blogpost folgt noch).

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Unsere Gastgeber Ane und Jacob waren super nett. Sie überließen uns nicht nur ihre zauberhafte Wohnung, sondern auch noch frischgebackene Brötchen und einen kleinen selbstgeschriebenen Reiseguide mit Insidertipps. So haben wir uns gleich von Anfang an wie zuhause gefühlt. Was hier etwas tricky war: der Schlüssel klemmte anfangs ziemlich. Einmal dachten wir echt, wir würden nicht mehr in die Wohnung kommen – mein Handy mit der Nummer der Gastgeber war natürlich in der Wohnung. Zum Glück schafften wir’s doch wieder rein.

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Die Wohnung selbst ist einfach nur wunderschön. Auch hier versprachen die Fotos nicht zu viel: Die Wohnung sieht genauso wie auf den Bildern aus. Dänisches Design, ein bisschen Vintage, shabby chic, sehr hell, sehr gemütlich. Viele, viele Bücher und viele tolle Bilder an den Wänden. Es gab alles, was wir brauchten. Wir konnten kochen, hatten genügend Platz und WLAN gab es auch. Auch hier wieder etwas ungewöhnlich: Das Bad ist im Keller, man teilt es sich mit dem ganzen Haus. Das ist natürlich etwas unpraktisch, wenn man dringend duschen möchte und jemand Ewigkeiten duscht. Zum Glück war immerhin die Toilette in der Wohnung und die Zähne haben wir einfach über dem Küchenwaschbecken geputzt. Auf Dauer wäre das nichts für mich, aber für so ein paar Tage ist das ja kein Problem.

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Jedenfalls ist die Wohnung einfach nur gemütlich, es ist schön ruhig und man fühlt sich gleich wohl. Außerdem ist sie für Kopenhagener Verhältnisse recht günstig: Wir zahlten insgesamt 48 Euro pro Nacht, also 24 Euro pro Person. Da wir mit dem Fernbus von Hamburg aus nach Kopenhagen kamen (19 Euro für eine Fahrt pro Person), war das also insgesamt ein recht günstiger Trip. Die Wohnung hatte halt auch den Vorteil, dass wir abends immer kochen konnten – so sparten wir uns viel Geld. Denn Kopenhagen ist schon sehr teuer – einen Milchkaffee unter fünf Euro haben wir nirgends gefunden.

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Auch diese Wohnung würde ich absolut empfehlen. Wie gesagt, das mit dem Bad ist ein bisschen strange. Aber es ist sehr gemütlich, Ane und Jacob sind tolle Gastgeber, man ist schnell am Meer und in der Stadt und hat alles, was man braucht.

Habt ihr schon einmal AirBnb ausprobiert? Wenn ja, welche Unterkünfte könnt ihr empfehlen? Wenn nein, wieso nicht?

 

*Die Fotos aus Kopenhagen stammen teilweise von meiner Schwester Melanie und unterliegen ihrem Copyright.

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8 Comments

  • Reply
    Natalia
    August 4, 2015 at 9:38 pm

    Omg so schön!!! :D Ich will dort wohnen! Super schöner Überblick, muss das auch mal testen :) Das ist übrigens endlich ein Kommentartest auf dem neu umgezogenen Blog <3

    • Reply
      copycat
      August 4, 2015 at 10:29 pm

      Danke, Liebes! :) Und ja, wir wären auch gerne für immer dort geblieben, haha.

  • Reply
    Christian
    August 4, 2015 at 10:20 pm

    Was mich noch interessiert: Wie stehst du zu dieser Debatte um AirBnB und Wohnungsnot/Gentrifizierung/Mietpreisexplosion? (vgl. http://airbnbvsberlin.de/ und http://haeuserkampf.tagesspiegel.de/)

    • Reply
      copycat
      August 4, 2015 at 10:28 pm

      Ich hab bisher nur bei Leuten „gewohnt“, die eigentlich sonst regulär in der Wohnung wohnen. Dass Leute einfach eine Wohnung mieten, die dann teuer weitervermieten und selbst nicht darin wohnen, habe ich bisher noch nicht persönlich erlebt. Entspricht meiner Meinung nach auch nicht dem Sinn der Sache – man sollte niemandem Wohnraum wegnehmen. Aber was spricht dagegen, seine Wohnung für ein paar Tage zu vermieten, etwas Geld dafür zu bekommen und Leuten eine alternative Unterkunft zu teuren, unpersönlichen Hotels zu bieten?

      Was denkst du denn selbst darüber, Christian? :)

      • Reply
        Christian
        August 23, 2015 at 9:46 am

        Häufig scheint es ja so zu sein, dass dieses „Wir wohnen da sonst selber drin“ mit großem Aufwand vorgetäuscht wird. Da habe ich aber keine eigenen Erfahrungen zu. Ich mache selbst auch total viel AirBnB, allerdings habe ich bisher nie ne ganze Wohnung gemietet sondern immer nur Zimmer in ner WG. Finde ich persönlich spannender, ist aber vermutlich auch nicht sozialverträglicher. Ich bin unentschlossen, wie ich dazu stehe, daher hat mich deine Haltung interessiert.

  • Reply
    Stefanie
    August 26, 2015 at 3:51 pm

    Das ist echt spannend. Ich habe mich bisher noch nicht getraut. Aber habe auch die Nase voll von den ganzen 08/15 Hotels. Wenn ich diese zwei Wohnungen anschaue, ist das ja echt total super! Ich hatte immer Angst, dass entweder noch jemand da ist oder dass die Wohnung ungeplegt ist.. Vielleicht sollten wir es trotzdem mal wagen.

  • Reply
    Myriam
    September 17, 2015 at 8:29 pm

    Hi,

    diese 2 Wohnungen sehen echt toll aus. Ich kenne AirBnB von dem Promotionbus, der mal bei uns in Leipzig für 2-3 Tage auf dem Augustusplatz stand. Dort wurde ein 50 Euro Gutschein verteilt, den ich aber mangels Urlaub nicht einlösen konnte. Aber ein Arbeitskollege hat den für seinen USA Trip in San Francisco nutzen können. Er war dort bei einer deutschen Auswanderin und hatte eine komplette Wohnung für sich und seine 2 Kumpels zur Verfügung. Ihm hats gefallen. Ich werde das bestimmt auch einmal ausprobieren – zumal es auch Baumhäuser bei AirBnB gibt.

    LG Myriam

  • Reply
    Things to do and see in Copenhagen – Copycat
    Januar 27, 2016 at 7:28 pm

    […] Umso glücklicher konnten wir uns schätzen, dass wir eine schöne, kleine Wohnung über Airbnb gefunden hatten. Zwar nicht ganz im Zentrum, aber die Lage war ruhig und wir fühlten uns sicher. […]

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