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Fast Fashion: Wie fair ist meine Mode?

Heute habe ich mir die Ausstellung „Fast Fashion – die Schattenseiten der Mode“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe angeschaut. Und war schockiert. Natürlich sind katastrophale Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern nichts Neues mehr – dennoch nimmt es mich jedes Mal wieder mit, wenn ich mir die Bilder von eingestürzten Fabrikgebäuden, Menschen in Trümmern oder Frauen, die wie am Fließband nähen müssen, anschaue. Es kommt mir einfach immer wieder so unfair vor.Wie kann es sein, dass wir für ein T-Shirt weniger als fünf Euro zahlen? Wer verdient daran? Wieso zögern wir, etwas mehr für unsere Kleidung auszugeben, obwohl es uns nicht weh tun würde? Sind wir so knausrig, dass wir nicht etwas mehr drauflegen würden, damit es anderen Menschen besser geht? Dass sie wie wir eine Schulausbildung genießen können, genügend zu essen für sich und ihre Familien haben?
 
Das hier soll kein Moraltext werden. Aber ich möchte euch ein paar Fakten aus der Ausstellung nahelegen, die euch vielleicht auch zum Nachdenken über euren eigenen Konsum anregen. Außerdem möchte ich euch Alternativen zu diesem modischen Mainstream zeigen.
 

 
Was wird zur Verbesserung gemacht: 
Die Clean Clothes Kampagne setzt sich beispielsweise für bessere Löhne von Näher/innen in Asien und Europa ein. Außerdem ist in Asien der sogenannte Asia Floor Wage in der Diskussion – quasi ein einheitlicher Lohn, damit Firmen nicht einfach in das nächste Land gehen, wenn die Arbeiter mehr Lohn fordern.In der Ausstellung gab es auch ein kleines Booklet, in dem man nachblättern konnte, welche Labels genug zahlen – so viel sei verraten: keines der Unternehmen zahlt den Existenzlohn. Einfach nur schockierend. Am besten schnitten Zara, Tchibo und Switcher ab, deren Engagement mit „auf dem Weg“ gekennzeichnet wurde. Überraschend fand ich, dass H&M beispielsweise als „so lala“ eingestuft wurde, während Edelmarken wie Gucci, Joop! und Versace nur ein „ungenügend“ bei ihren Gehältern erhielten. Über manche Labels und deren Löhne gibt es auch überhaupt keine Angaben – warum nur.
 

 

 
Und was soll ich jetzt noch anziehen? 
Das dachte ich mir, als ich den ersten Teil der Ausstellung anschaut hatte, in dem es um die Schattenseiten der Mode ging. Die ganze Branche ist auch so intransparent, dass man gar nicht mehr weiß, wo oder was man einkaufen kann. Ähnlich ist es mit diesen ganzen Firmen, die bei Unilever mit drinhängen.
 
Hier ein paar Tipps, wie ihr nachhaltiger mit Mode umgeht:

  • Auf Textilsiegel achten. Diese hier sind zum Beispiel frei von Chemikalien: GOTS, EU-Umweltzeichen, OEKO-Tex/Standard 100, Blauer Engel. Weitere „gute“ Label sind Cradle to Cradle, IVN Best (verwenden nur Naturfasern) und made in Green by Öko-Tex. Außerdem erkennt ihr nachhaltige Kleidung am Zeichen „fairtrade certified cotton“.
  • Auf alternative Konzepte setzen: Das bekannteste Konzept ist wahrscheinlich Second Hand – stöbert auf dem Flohmarkt oder im Internet wie zum Beispiel auf Kleiderkreisel oder veranstaltet mit Freunden eine Kleidertauschparty (geht auch via klamottentausch.net bzw. besucht Mädchenflohmärkte). Ansonsten könnt ihr natürlich alte Kleidungsstücke upcyceln – also etwas Neues daraus basteln. Anleitungen gibt’s zum Beispiel auf dem Blog von Ariane. Manchmal hilft es auch schon, alte Kleidung zu reparieren.
  • Auf gute Qualität achten – weniger, aber bewusster einkaufen.
  • Den Kleiderschrank ausmisten: Entweder man verkauft die Kleidung dann via Kleiderkreisel oder EbayKleinanzeigen oder man spendet sie. Egal, wie man’s macht: Man ist das alte Zeug los und hat gleichzeitig etwas Gutes getan.
  • Umweltfreundlich waschen: Die Waschmaschine ganz voll machen und statt einem Trockner die Wäsche aufhängen – irgendwie logisch.
  • Biobaumwolle verwenden: Baumwolle fühlt sich gut an, noch besser ist Bio-Baumwolle. Achtet beim Kauf auf „Organic Cotton“ oder „Bio Cotton“ – es sollte aber auch 100 Prozent dastehen.
  • Offen für Neues sein: Derzeit werden zum Beispiel immer häufiger Fasern aus Milch oder Leder aus Lachshaut hergestellt – Produkte, die sonst eigentlich weggeworfen werden (gut, eignet sich nicht für Veganer). Man darf gespannt sein, was da noch so auf uns zukommt.

 

 
Passend zum Thema ein paar Linktipps:

  • Get Changed: Hierbei handelt es sich quasi um einen Eco-Marktplatz. 
  • Neue Entwicklungen? Der Spiegel berichtet über weniger Gift in Kleidung. 
  • Die Doku Sweatshop begleitet drei junge Norweger auf einer Reise nach Kambodscha in die Textilfabriken. Hier der Trailer dazu:


Was ist euch beim Kauf von Kleidung wichtig? Achtet ihr auf Textillabel? Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für euch?

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2 Comments

  • Reply
    Ariane
    März 20, 2015 at 9:14 pm

    Das klingt wirklich nach einer spannenden Ausstellung, muss ich mir für zukünftige Berlin-Besuche mal merken. Toller Beitrag, ich konnte selbst noch einiges lernen – von Fasern aus Milch und Leder aus Lachshaut hab ich zum Beispiel noch nie etwas gehört. Ach, und danke für die Verlinkung! :)

  • Reply
    Daniela S.
    März 30, 2015 at 8:21 am

    Sehr guter Beitrag.
    Klingt nach einer sehr interessanten Ausstellung. Vielleicht bringt man in Österreich ja auch mal so etwas zustande.
    Ich finds gut, dass die Produktion von Kleidung immer mehr ins Bewusstsein rückt. Wir könnten es uns auch leisten das doppelte für ein Shirt zu zahlen, grundsätzlich. Aber ich glaub ich, dass so lange es billige Mode gibt, auch überwiegend billige Mode konsumiert wird.

    Liebe Grüße, Daniela

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