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Fastenzeit: Ein Erfahrungsbericht

Mit Karfreitag geht für mich die Fastenzeit zu Ende. Vom 1. März (Aschermittwoch) bis zum 14. April verzichtete ich auf Kaffee, Süßigkeiten und Alkohol. Ich ernährte mich vegan und versuchte, so gut wie möglich industriell gefertigten Zucker wegzulassen. Außerdem nahm ich mir vor, mich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu bewegen.

Warum ich das Ganze jedes Jahr mache und was mir dabei hilft, könnt ihr hier nachlesen.

Heute möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen, wie ich das Fasten in diesem Jahr erlebt habe.

Der Verzicht auf Kaffee

Kaffee ist eines meiner Grundnahrungsmittel. Vor der Fastenzeit habe ich im Schnitt mindestens drei Tassen täglich getrunken, wenn ich Früh- oder Spätschicht hatte, oft noch mehr. Dementsprechend war der Verzicht auf Kaffee für mich am schwersten. Die ersten drei Tage hatte ich krasse Kopfschmerzen, mir war teils schwindelig und ich fühlte mich schwach und krank. Beängstigend, wie süchtig ich eigentlich nach Kaffee war.

Am dritten Tag, als die Kopfschmerzen ziemlich stark waren, war ich kurz davor, den Versuch abzubrechen. Stattdessen entschied ich mich, eine Tablette zu nehmen – was ich sonst echt ungern mache -, und das Ganze durchzuziehen. Es half. Am vierten Tag war ich kopfschmerzfrei und es wurde besser. Nach ein paar weiteren Tagen fiel mir das Aufstehen schon viel leichter und auch das Aufbleiben bei der Spätschicht funktionierte irgendwie ohne Kaffee.

Teilweise schummelte ich ein bisschen mit schwarzem Tee und Mate. Nichtsdestotrotz habe ich dieses Jahr wirklich sechs Wochen ohne Kaffee ausgehalten – und darauf bin ich ein bisschen Stolz. Auf die erste Tasse hab ich mich trotzdem gefreut. Allerdings werde ich meinen Kaffeekonsum ab jetzt etwas verringern – zu viel Kaffee ist schließlich auch nicht gut.

Der Verzicht auf Süßes

Ich bin eine Naschkatze. In diesem Jahr haben mir Süßigkeiten allerdings gar nicht so sehr gefehlt. Es klappte die meiste Zeit echt gut ohne Süßes; natürlich gab es schon ein paar Tage, an denen ich gerne ein Stück Schokolade oder so gehabt hätte. Allerdings gewöhnt sich der Körper echt schnell an eine zuckerfreie Ernährung. Nach etwa einer Woche dachte ich kaum noch an Süßes. Wenn mir doch mal nach was Süßem war, aß ich Obst, trank Tee, putzte die Zähne oder kaute Kaugummi.

Erst gegen Ende wurde mein Verlangen danach wieder größer. Alles in allem kann ich jedem nur raten, ab und zu auf Süßes zu verzichten – es schmeckt dann wieder viel intensiver. Und man fühlt sich eine Weile ohne irgendwie wacher, fitter und besser.


Der Verzicht auf Alkohol

Auf Alkohol zu verzichten, fällt mir normalerweise am leichtesten. Ich trinke nur, wenn ich in Gesellschaft bin.

In dieser Fastenzeit hätte es aber eine Menge Situationen zum Anstoßen gegeben: Ich habe endlich meine Masterarbeit angemeldet, ich bin umgezogen, beruflich hat sich etwas verändert, eine meiner besten Freundinnen hier in Hamburg ist von ihrem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt und und und.

Trotz allem entschied ich mich dafür, weiter auf Alkohol zu verzichten. Und es tat mir körperlich echt gut. Es ist nicht so, dass ich sonst ständig trinken würde – mit Sicherheit nicht. Aber ich finde es manchmal schon etwas bedenklich, wenn jedes Mal erwartet wird, dass man etwas trinkt, wenn man Freunde trifft oder auf Dates geht. Die Fastenzeit als „Ausrede“ half dabei schon eher. In Zukunft werde ich auch sonst öfter mal etwas Nichtalkoholisches bestellen; man fühlt sich am nächsten Tag einfach besser – auch wenn man die Nacht halb durchgemacht hat. Es spricht aber natürlich auch nichts gegen ein Feierabendbier oder dergleichen.

Täglich Sport

Spoiler: Meinen Vorsatz, täglich Sport zu machen, konnte ich leider nicht konsequent bis zum Ende durchziehen.

Das hatte zwei Gründe: zum einen bin ich ja in der Zeit umgezogen und war die Tage nach dem Umzug einfach nur platt. Dazu muss man wissen, dass wir meine ganzen Sachen von meiner alten in die neue Wohnung getragen haben – anstrengend genug. Zum anderen arbeitete ich viel und war abends einfach nur noch fertig.

Dennoch habe ich immerhin den ganzen März jeden Tag Sport gemacht; im April war ich dann noch ein paar Mal joggen und hab daheim Gymnastik gemacht.

Insgesamt bin ich super zufrieden. Ich fühle mich besser, meine Haut ist straffer, ich habe etwas an Gewicht verloren, meine Muskeln zeichnen sich endlich wieder am Bauch ab und bin fitter. Und vor allem bin ich motiviert. Nach Ostern werde ich auf jeden Fall weiter versuchen, täglich oder zumindest drei- bis viermal die Woche Sport zu machen. Denn mittlerweile macht es mir wieder richtig Spaß.


Vegane Ernährung

Mich vegan zu ernähren, das hatte ich bereits im vergangenen Jahr während der Fastenzeit ausprobiert. Damals klappte es allerdings nicht – ich aß schlicht zu wenig und fühlte mich die ganze Zeit sehr schwach. Dieses Mal aß ich zum einen mehr, zum anderen auch solche Dinge, die einfach länger satt machen.

Morgens startete ich oft mit Porridge und Himbeeren in den Tag, mittags kochte ich mir öfter mal Ofenkartoffeln und abends gab’s dann etwas Kleineres wie Salat. Zwischendurch genehmigte ich mir Nüsse, Müsli- oder Proteinriegel und Obst, wenn ich das Gefühl hatte, zu wenig gegessen zu haben. Was auch half, war, dass in der Kantine bei der Arbeit seit ein paar Monaten immer ein veganes Gericht auf der Speisekarte steht. Das erleichterte das Fasten wirklich.

Dennoch musste ich wieder einmal feststellen, dass ich es momentan noch nicht schaffe, dauerhaft vegan zu leben. Mein Wissen über Lebensmittel, Vitamine und Co. ist dafür noch zu schlecht; ich habe sehr oft das Gleiche gegessen und irgendwann wurde es etwas langweilig. Alternativen für Käse und Milch im Kaffee habe ich noch nicht gefunden. Dennoch möchte ich versuchen, (noch) öfter vegan zu kochen. Mir ist es aber auch wichtig, auf Plastik zu verzichten – derzeit gibt es zum Beispiel noch keinen veganen Joghurt im Glas, sodass ich dann doch lieber den Biojoghurt aus Kuhmilch im Glas bevorzugen würde. Denn für mich spielt ein umweltbewusster Umgang mit Ressourcen eine mindestens genauso große Rolle wie Tierschutz.


Worauf ich im nächsten Jahr verzichten werde, weiß ich noch nicht. Alles in allem hat mir die Fastenzeit unheimlich gut getan: Ich habe mich endlich wieder mehr bewegt, mir mehr Zeit fürs Essen und dessen Zubereitung genommen und bewusster gelebt. All das möchte ich gerne beibehalten – denn ich fühle mich nicht nur fitter, sondern auch wohler.

Habt ihr auch gefastet in diesem Jahr? Was sind eure Erfahrungen?

 

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1 Comment

  • Reply
    Katharina
    April 19, 2017 at 4:28 pm

    HI :) da hattest du dir ja einiges vorgenommen! Respekt. Ich habe auch meinen Konsum von Süßigkeiten und Alkohol eingeschränkt, aber da ich eh selten nasche und trinke, schien mir das kein großes Opfer zu sein. Deswegen habe ich auf DM verzichtet :D mehr darüber kannst du hier lesen: https://sonntagsladen.wordpress.com/2017/04/19/fastenopfer/
    An dir sollte ich mir aber trotzdem ein Vorbild nehmen. Die Sache mit dem Sport ist echt schwierig, man hat oder nimmt sich einfach zu wenig Zeit. Bewusster leben ist echt ein cooles Ding, aber neben Masterarbeit und Job irgendwie gerade nicht drin :(

    Ahoi, Katharina

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