SUSTAINABILITY

Wie »grün« ist eigentlich H&M?

Sara Nuru wirbt gerade für die neue Frühlingskollektion, Lena Meyer-Landrut bringt Anfang Mai eine eigene Linie für den schwedischen Modegiganten heraus. Beide ernten auf Instagram Kritik für ihre Zusammenarbeit mit H&M. Seit 2011 hat H&M eine »conscious collection« in den Läden. Aber was heißt das eigentlich?

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In diesen Ländern kann man bei H&M online bestellen

Wer gehört zu H&M?

Bereits 2008 hat H&M 60 Prozent der Anteile an dem schwedischen Modeunternehmen Fabric Scandinavien AB aufgekauft. Zwei Jahre später, 2010, folgte eine Übernahme der restlichen 40 Prozent (Quelle). Dazu gehören

  • Monki
  • Cheap Monday
  • Weekday

Darüber hinaus gehören

  • COS (seit 2007)
  • & other stories (2013 von H&M auf den Markt gebracht)
  • Arket (seit Sommer 2017)

dazu. Außerdem zählen Afound und /Nyden zum H&M-Kosmos.

Wie nachhaltig ist H&M wirklich?

Die Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Denn es hängt immer davon ab, was man unter »nachhaltig« überhaupt versteht. Denn das Wort wird eher beliebig benutzt. Anders verhält es sich mit den Begriffen »grün« (steht für ökologisch abbaubare Materialien) oder »fair« (deutet auf die Produktionsbedingungen hin).

Fest steht, dass die Kleidung von H&M nicht mit einem Nachhaltigkeitssiegel wie GOTS oder der Fair Wear Foundation ausgewiesen ist.

Zwar bezeichnet das Unternehmen manche Kollektionen selbst als »conscious«. Der Begriff ist jedoch nicht geschützt.

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Screenshot Unterseite von H&M

Was sagt H&M selbst über seine Nachhaltigkeit?

H&M hat auf seiner Homepage selbst eine Unterseite zum Thema Nachhaltigkeit. Darüber hinaus steht am Ende der Startseite in großen Lettern die Frage »Woher kommt deine Kleidung?« Das fällt zunächst positiv auf. Denn immerhin:

Dass das Thema inzwischen viele beschäftigt, scheint angekommen zu sein.

»Wir möchten, dass unsere Kunden stolz auf unsere Produkte sind. Deshalb achten wir bei allem, was wir tun, auf Nachhaltigkeit.«

H&M

Möchte man mehr über die »Nachhaltigkeitsarbeit« – so bezeichnet das Unternehmen das, was es tut –, so gelangt man auf eine weitere Unterseite. Allerdings auf Englisch. Dort findet sich auch der Nachhaltigkeitsreport von 2018 (ebenfalls auf Englisch)

Im Vorwort des CEO, Karl-Johan Persson, heißt es zunächst:

»We know that we are a large company and we therefore know that we have an equally large responsibility to ensure that we have a positive impact on our planet.«

Karl-Johan Persson

Weiter bezeichnet Persson Nachhaltigkeit als »integralen Bestandteil« des Unternehmens. Allerdings macht er Nachhaltigkeit »abhängig von den Partnern« – das könnte man auch als Verantwortungsabweisung interpretieren.

Überdies spricht Persson mehr von Absichten und Plänen und weniger von dem, was H&M bereits erreicht hat. Das deutet darauf hin, dass der Konzern noch Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit hat. Auffällig ist auch die Wortwahl des CEO: In seinem zweiseitigen Vorwort verwendet er fünfmal den Begriff »positive«.

Welche Nachhaltigkeitsziele hat H&M?

Die Ziele lassen sich laut dem Nachhaltigkeitsreport grob in drei Bereiche gliedern:

  1. »Leading the change«: Damit ist gemeint, dass H&M Innovationen vorantreiben, für mehr Transparenz sorgen und nachhaltige Handlungen belohnen möchte.
  2. »Circular & renewable«: Bis 2030 will H&M nur noch recycelte oder andere nachhaltige Materialien bei der Textilproduktion verwenden.
  3. »Fair & Equal«: Das heißt, »faire Jobs für alle« sowie »Inklusion und Diversität«.
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Nachhaltigkeitsziele H&M

Darüber hinaus will H&M bis 2020 komplett auf Bio-Baumwolle umsteigen und bis 2040 eine klimapositive Wertschöpfungskette erreichen.

Außerdem sollen die Kunden bald Informationen über die genauen Materialien, die Produktion und das Recycling jedes Kleidungsstücks auf der Homepage erhalten.

Wofür steht H&M in der Kritik?

Bereits 2017 wurde bekannt, dass das Modehaus tonnenweise Kleidung verbrennt. Das fand der dänische Fernsehsender TV2 heraus. Offenbar handelte es sich dabei um Klamotten, die Kunden zum Recyceln zurückbrachten. Ein Jahr später kamen das ZDF-Magazin »Frontal 21« und die «Wirtschaftswoche« zu ähnlichen Ergebnissen: Allein in Deutschland sollen 100.000 Kleidungsstücke vernichtet worden sein.

Hinzu kommen Rassismusvorwürfe, mit denen sich H&M in der Vergangenheit konfrontiert sah. Konkret ging es zuletzt um ein Sweathirt mit dem Aufdruck »Coolest Monkey in the Jungle«, mit dem ein schwarzer Junge in der Werbung posierte.

Zwar möchte H&M seine Arbeitsbedingungen verbessern; in der Realität ist der Konzern davon weit entfernt.

Nach SPIEGEL-Recherchen zahlt H&M noch immer keine fairen Löhne. Eigentlich versprach H&M, seine rund 850.000 Textilarbeitern und -arbeiterinnen bis 2018 gerecht zu entlohnen. Auch die Initiative »Turn Around H&M« der Clean Clothes Campaign fand heraus, dass dieses Ziel weit verfehlt wird. Viele Arbeiter und Arbeiterinnen können von ihrem Gehalt nicht leben und müssen deshalb Überstunden machen.

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Während unserer Demo für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilbranche

Fazit

Auf den ersten Blick erscheint es so, als würde H&M schon jede Menge in Sachen Nachhaltigkeit unternehmen. In der Realität handelt es sich bei vielen Dingen nur um Absichten. Wie etwa, dass man online einfach einsehen kann, woraus die Kleidung besteht und wo sie herkommt.

Dass Kundinnen und Kunden für alte Kleidung, die sie zum Recyceln zurück in den Laden bringen, ist auch als kritisch zu erachten: Viele Kleidungsstücke sind Mischgewebe, was das Recycling erschwert. Überdies entsteht so ein Gefühl, wieder »shoppen zu dürfen«. Das ist aus wirtschaftlicher Sicht natürlich klug. Nachhaltig ist es aber nicht.

Nur, weil H&M inzwischen vermehrt auf Bio-Baumwolle setzt, heißt das nicht, dass die Kleidung auch fair hergestellt wurde. Noch immer bekommen die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Textilfabriken viel zu wenig Geld.

Und: Ein T-Shirt, das fünf Euro kostet, kann einfach nicht nachhaltig sein.

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Immer kritisch bleiben und fragen: Who made my clothes?

Aber, das muss man einräumen: Immerhin scheint allmählich ein Umdenken stattzufinden. Was natürlich längst nicht heißt, dass alles perfekt ist.

Warum ich selbst keine Fast Fashion mehr kaufe, und welche Alternativen es gibt, darüber habe ich hier schon mal geschrieben.

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