TRAVEL

72 Hours in Marrakech

In Marrakesch begann unser Marokko-Abenteuer. Zwei Tage und drei Nächte verbrachten wir in der Metropole – und waren davon überrascht, verliebt in die Farben und etwas überfordert ob der ganzen Eindrücke und fliegenden Händler, die einem ständig etwas verkaufen wollen.

Alles in allem fand ich Marrakesch aber sehr schön und würde gern noch mal dorthin – und ausgiebiger fotografieren, denn Motive gibt es genug. Die perfekte Stadt für Fotografen.

Hinkommen

Von Las Palmas de Gran Canaria flogen wir mit Binter Canarias nach Marrakesch hin und mit Royal Air Maroc ab Casablanca zurück (Flugzeit circa viereinhalb Stunden). Für Hin- und Rückflug zahlten wir pro Person 211,1 Euro. Von Deutschland aus gibt es verschiedene Direktverbindungen nach Marokko.

Wir buchten einen Shuttle zu unserer Unterkunft dazu; wir wohnten in der Medina, der Altstadt, und in den engen Gässchen verläuft man sich gern mal. Das wollten wir mit dem ganzen Gepäck vermeiden. Der Shuttle kostete 15 Euro – und war jeden Cent wert.

Unterkunft

Wir entschieden uns, in einem der traditionellen Riads zu übernachten. Riads, das sind diese typischen marrokkanischen Häuser und Paläste mit grünem Innenhof. Sie wurden früher gebaut, um der Familie etwas Privatsphäre zu geben. Heute sind viele davon zu Gästehäusern umgebaut.

Riad Sofia

Wir wohnten in der Zeit im Riad Sofia. Dieses Riad ist nicht ganz so pompös wie die, die man so auf Instagram sieht. Allerdings hat es für uns vollkommen ausgereicht. Neben den Zimmern kann man auch etwas auf der großen Dachterrasse entspannen oder unten im Innenhof bzw. einer Art Wohnzimmer. Platz ist also genug.

Das Problem war nur: Wir waren im Januar dort und die Heizung ist echt schlecht gewesen. Eigentlich hätten wir sogar einen eigenen Kamin im Zimmer gehabt – derjenige, der wusste, wie er funktioniert, war in der Zeit aber nicht da. Unsere Rettung war dann der kleine Föhn, den wir von zu Hause mitgebracht hatten. Und eine zusätzliche Decke, die allerdings etwas nach nassem Hund roch.

Zweiter Haken: Es gibt zwar WLAN – aber auch das eher in der Theorie. Unsere weitere Reiseplanung war dadurch nicht so einfach und Skypen wurde zur Geduldsprobe.

Trotzdem würde ich noch mal im Riad Sofia übernachten.

Riad Sofia

Das Personal ist super nett, Mohammed hat uns so viele gute Tipps für unsere Erkundungstour gegeben, und wir konnten flexibel frühstücken. Und: Die Lage ist super. In wenigen Gehminuten ist man im Wirrwarr der Souks, in rund zehn Minuten am Djemaa el Fna.

Das Frühstück war ohnehin ein Highlight für sich. Als wir ankamen, mussten wir uns direkt entscheiden, was wir am nächsten Tag essen wollten. Für jemanden wie mich, der sich mit Entscheidungen eher schwertut, keine leichte Sache.

Wir haben uns dann einmal quer durch die Karte bestellt, sodass wir am nächsten Tag fast schon ein eigenes kleines Büfett hatten. Ich glaube, das Küchenpersonal wunderte sich auch etwas, dass wir das alles runterkriegt haben.

Frühstück im Riad Sofia

Es gab Brot mit Butter, Käse, Marmelade oder Honig, eine Art Pfannkuchen, Eiergerichte, Minztee, Kaffee, Kakao,… Kurzum: Wir wurden auf jeden Fall satt. Ich hätte mir nur eine größere Obstauswahl gewünscht. Aber auf den Märkten ließ sich dieses Verlangen einfach stillen.

Riad Sofia
179, derb arset aouzal,
dar el bacha, Marrakech
Website

Sehenswürdigkeiten und Sonstiges

Da wir nicht allzu viel Zeit in Marrakesch hatten, beschränkten wir uns auf die bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören:

Der Djemaa el Fna

Der Platz im Zentrum der Altstadt wurde bereits im 11. Jahrhundert angelegt – und gilt als Herz des Zentrums. Auf dem Djemaa el Fna tummeln sich Schlangenbeschwörer, Frauen, die dir die Hände mit Henna verzieren möchten, Menschen mit Affen, Touristen, bettelnde Kinder und noch viele mehr.

Djemaa el Fna

Es ist schwer, dieses Spektakel in Worte zu fassen.

Es ist laut, von überall dröhnen andere Geräusche und Musik her. In der Luft liegt Rauch, an Ständen verkaufen Händler Obst, Gemüse, Kleidung, Schuhe und allen möglichen Trödel.

Der Djemaa el Fna war das Erste, was wir uns Marrakesch ansahen; der Platz überfordert ein wenig.  Und ist gleichzeitig faszinierend. Es ist fast so, als wäre man inmitten eines Wimmelbildes.

Djemaa el Fna von oben

Am besten hat mir der Platz bei Sonnenuntergang gefallen. Der Himmel verfärbte sich in Gelb-, Orange- und Rotnuancen, am Ende waren in der Ferne nur noch die Silhouetten von Palmen und der Kousoubia-Moschee zu sehen. Dafür leuchteten die Stände des Platzes.

Der Djemaa el Fna bei Sonnenuntergang

Für den Ausblick gingen wir einfach in eines der mehrstöckigen Restaurants. Wir aßen dort nichts, wir wollten nur ein paar Fotos machen und uns das Schauspiel von oben ansehen. Gefallen hat das den Kellnern zwar nicht allzu sehr – aber was hätten sie machen sollen? Zum Einbruch der Dunkelheit gingen wir wieder in unser Riad.

Koutoubia-Moschee

In der Moschee drin waren wir selbst nicht, aber wir passierten sie täglich mehrmals. Die Koutoubia-Moschee liegt nämlich genau gegenüber vom Djemaa el Fna. Das 77 Meter hohe Minarett der Moschee ist nicht zu übersehen. Der marokkanische Architekturstil der Koutoubia-Moschee war Vorbild für viele andere muslimische Gotteshäuser.

Koutoubia-Moschee

Die Souks

Marrakesch ist bekannt für seine Märkte, die Souks. Nördlich des Djemaa el Fna spinnt sich ein Labyrinth aus kleinen Geschäften – sich mindestens einmal verlaufen gehört dazu. Am besten man lässt sich einfach treiben.

In den Souks

Je nach Gasse werden andere Dinge feilgeboten: bunt verziertes Porzellan, Lederwaren in allen denkbaren Ausführungen, SchmuckKleidung, kleine Metalllampen, Gewürze und natürlich Teppiche. Außerdem haben manche Handwerker ihre Werkstätten in den Souks.

In den Souks

Festpreise gibt es nur selten, das Handeln ist quasi Nationalsport. Wer sich auf einen Preis geeinigt hat, sollte man auch wirklich das kaufen, worum gefeilscht wurde; die Händler verdienen schließlich so ihren Lebensunterhalt.

Die Preise in den Souks sind nicht unbedingt günstig; offenbar sind sie durch die vielen Touristen in den vergangenen Jahren gestiegen.

Die Gässchen der Märkte sind oft sehr schmal, dennoch fahren durch manche Marokkaner mit Mopeds hindurch – also lieber etwas aufpassen und einmal mehr umdrehen, bevor man die Straßenseite wechselt.

In den Souks

Auch wenn die Souks sehr energieraubend sein können, es lohnt sich, dieses Treiben einmal anzuschauen und zu erleben. Wer fotografiert, findet hier unzählige Motive; am besten ist es allerdings, wenn man die Händler erst vorher fragt, ob man sie ablichten darf.

Koranschule Ibn Youssef (Medersa Ben Youssef)

In der nördlichen Medina befindet sich die Koranschule Ibn Youssef-Medersa. Sie wurde bereits im 14. Jahrhundert errichtet, sie richtete sich an die Bildungselite des alten Marokkos.

Koranschule

Heute ist die Koranschule eines der historisch wichtigsten Gebäude – und der schönsten.

Koranschule

In der Koranschule

Filigrante Schnitzereien und Stuckverzierungen, bunte Mosaike, Marmorsäulen und ein schöner kleiner Innenhof mit einem kleinen Pool prägen die Architektur des Bauwerks.

Ibn-Youssef-Medersa
Place Ibn Youssef
Geöffnet: täglich von 9 – 17 uhr
Eintritt: 6 Euro
Website

Ich in der Koranschule

Das Fotografie-Museum (La Maison de la Photographie)

Das Fotografie-Museum war eines meiner Highlights in Marrakesch. Die Ausstellung ist nicht allzu groß, es werden Fotos des vergangenen Jahrhunderts gezeigt. Aber die Porträts und Szenen sind sehr ausdrucksstark, sodass ich vor einzelnen Bilder am liebsten Ewigkeiten gestanden hätte.

Die Fotos erzählen die Geschichte Marokkos.

Gefallen hat mir aber auch die Architektur des Museums.

Im Fotografie-Museum

Und: die Dachterrasse. Von dort hat man einen tollen Blick über die Souks, die Stadt, das Atlas-Gebirge.

Blick auf das Atlasgebirge

Wir suchten uns einen Platz in der Sonne, tranken Minztee und genossen die Ruhe, die man hier oben hat. Die Speisen und Getränke hier sind etwas teurer – aber für die Aussicht und Atmosphäre lohnt es sich.

Maison de la Photographie
Adresse: 46, Rue Souk Ahal Fassi, kaat Ben Nahid
Geöffnet von 9.30 – 19 Uhr
Eintritt: 40 MAD (rund 3,54 €)
Website

Bahia Palast

Der Bahia Palast wurde im späten 19. Jahrhundert errichtet, die Fläche ist riesig: Auf 8000 Quadratmetern gibt es 160 Räume, mehrere Patios, Riads, Gärten, Innenhöfe und ein Hammam.




Alles ist wunderschön verziert, sei es mit Stuck oder den bunten Mosaiken. Heute kann der Palast zu Teilen angeschaut werden; die marokkanische Regierung nutzt ihn ab und zu für Veranstaltungen.

Bahia Palast
Adresse: Rue Riad Zitoun el Jedid
Geöffnet: täglich von 9 – 17 Uhr
Eintritt: 10 MAD (rund 1 Euro)
Website

Die Ruinen El Badis

Der Palast El-Badi, auf Arabisch »Der Unvergleichliche«, ist eines der faszinierendsten Bauwerken, die ich bisher gesehen habe. Von der einstigen Pracht ist nicht viel übrig geblieben – nur die Größe der Ruinenanlage lässt sie noch erahnen. Den früher prunkvollen Palast ließ Sultan Ahmed al-Mansour Ende des 16. Jahrhunderts errichten. Später wurde der El-Badi von Sultan Moulay Ismail geplündert.



Heute ist der Palast zwar eine Ruine, aber dafür eine sehr schöne. Von oben hat man einen tollen Blick auf die Medina, es gibt auch noch unterirdische Kammern zu entdecken und insgesamt ist es schön ruhig und entspannt hier (zumindest Ende Januar), besonders am Wasser.


Und: Es gibt Störche, Enten und Katzen, eine davon hat uns eine ganze Weile begleitet.

El-Badi-Palast
Adresse: Ksibat Nhass, Marrakesh 40000, Marokko
Geöffnet: täglich von 9 – 17 Uhr
Eintritt: 10 MAD (rund 1 Euro)
Website

Die Saadier-Gräber

Rund 60 Marmorgräber der Dynastie der Saadier wurden im späten 16. bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet. Die Gräber gerieten mehr als 200 Jahre in Vergessenheit: Sultan Moulay Ismail ließ die Eingänge Ende des 17. Jahrhunderts schließen – sie wurden erst 1917 durch Luftaufnahmen wieder entdeckt und schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (National Geographic Traveler, S. 199).


Heute können Besucher zwei prächtige Mausoleen anschauen, die inmitten eines schönen Gartens liegen. Der Ort ist schön ruhig, ein krasser Kontrast zu dem Straßenleben davor.



Gegenüber von den Saadier-Gräbern ist das Bâb Agnaou, ein schönes Torhaus.

Saadier-Gräber
Rue de la Kasbah

Majorelle-Gärten

Die blauen Fassaden des Jardin Majorelle kannte ich von Instagram. Nahezu jeder, der mal in Marrakesch war, macht gefühlt hier ein Foto. Angelegt wurde die Anlage von dem Maler Jacques Majorelle, der einen ruhigen Ort zum Arbeiten suchte. Später übernahmen der französische Modedesigner Yves Saint Laurent und sein Partner Pierre Bergé den Garten; im Rosengarten ist sogar die Asche von YSL verstreut sowie ein Denkmal errichtet, das an ihn erinnert.


Ich persönlich kann den Hype um den Garten nicht verstehen: Ja, die Anlage ist ganz hübsch. Aber auch sehr klein und mit umgerechnet sieben Euro Eintritt für marokkanische Verhältnisse klar überteuert. Hinzu kommt, dass der Jardin Majorelle außerhalb der Medina ist und man extra mit dem Taxi hinfahren muss. Ich würde nicht noch einmal hin.


Ansonsten gibt es in Marrakesch noch das Musée de Marrakech, das Museum für marokkanische Kunst sowie weitere Paläste, Moscheen und Gärten (Menara / Agdal); diese haben wir allerdings nicht besucht, sodass ich dazu nichts sagen kann.

Ausflüge und Trips ab Marrakesch

Marrakesch ist der ideale Startpunkt, um Marokko zu erschließen. Verschiedene Anbieter organisieren Ausflüge

  • ins Atlasgebirge, zum Beispiel zum Djebel Toubkal, dem höchsten Berg Marokkos,
  • nach Essaouira, eine Küstenstadt, in der auch »Game of Thrones« gedreht wurde,
  • in die Wüste.

Essen und Trinken in Marrakesch

Wirklich viele Restaurant-Tipps habe ich nicht; wir aßen meistens in irgendwelchen kleinen Straßenrestaurants, die Couscous, Tahinen und Ähnliches anboten. Einmal waren wir im Dar Mama, einem sehr kleinen Restaurant bei uns um die Ecke. Das war ganz gut.

Wart ihr schon mal in Marrakesch? Was sind eure Tipps für Marrakesch?

 

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2 Comments

  • Reply
    Natalia
    März 25, 2018 at 3:20 pm

    So ein schöner Bericht, Petra! Als wäre ich selbst dort gewesen. Und diese Fotos, ich möchte sie ausgedruckt in meinem Zimmer aufhängen! Gehen wir noch einmal gemeinsam hin? Dann kann ich mein Arabisch auf die Probe stellen haha.

    • Reply
      copycat
      April 2, 2018 at 7:15 pm

      Awwww du Liebe, was für ein tolles Kompliment! Und ich lese es jetzt erst. Und ja, ich mag unbedingt noch mal nach Marokko – dann auch in die Wüste und ins Gebirge und ans Meer und überall hin <3

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