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Marokko: Essaouira, die Unterschätzte

Als wir aus dem kleinen weißen Bus aussteigen, riecht es nach Meer und Fisch. Essaouira stand zu Beginn unserer Marokko-Reise gar nicht auf der Agenda; jetzt, da wir hier sind, bin ich froh, dass wir uns spontan doch dafür entschieden haben. Denn es wird einer der schönsten Tage unserer Reise.

Essaouira ist eine Hafenstadt mit 85.000 Einwohnern, drei Stunden westlich von Marrakesch gelegen.

Bevor die Portugiesen Marokko für sich entdecken, war die Stadt am Atlantik ein verschlafenes Fischerdorf. Später errichtete Sultan Mohammed III hier einen Marinestützpunkt und sicherte Essaouira mit einer mächtigen Festungsanlage, die auch heute noch das Stadtbild dominiert.

In den Sechzigerjahren war die Küstenstadt am Atlantik vor allem bei Hippies beliebt; unter anderem soll sich Jimi Hendrix in der Gegend aufgehalten haben. Auch heute zieht die Stadt noch viele fast schon magisch an; noch immer befinden sich viele Künstler vor Ort, daneben zieht es wegen des Windes viele Windsurfer hier her.

Bevor wir mit unserem Rundgang durch Essaouira beginnen, gehen wir kurz an den Strand. Nach den aufregenden und anstrengenden Tagen in Marrakesch ist es schön, den Atlantik wieder vor den Füßen zu haben, dem Wellenbrechen zu lauschen und sich die Meeresluft um die Nase pusten zu lassen. Angenehmer Nebeneffekt: Nach ein paar Minuten am Meer bin ich sofort entspannt.


Der erste Halt unserer Entdeckungstour ist der Port de Pêche, der Fischereihafen. Von der Ruhe am Strand ist hier nichts mehr zu spüren; stattdessen wuseln Fischer entlang der blauen Boote, spannen Netze und schrubben Decks. Mich überkommt das Gefühl, ständig im Weg zu stehen. Dennoch gelingen mir in all dem Trubel ein paar Fotos, ohne dabei umgerannt zu werden.




In unmittelbarer Nähe zum Fischereihafen befindet sich die Sqala du Port, ein Teil der Festungsanlage, auf den man für einen Euro hinauf kann und wo eine Szene von Game of Thrones gedreht wurde. Von oben verschaffen wir uns einen ersten Überblick über Essaouira, genießen die Sonne und die Aussicht und nehmen uns Zeit fürs Fotografieren. Es ist schön, mal kurz innezuhallten und einfach nur den Wellen zuzuschauen. Gleich dahinter der nächste Drehort von GOT; ich habe die Serie selbst nie gesehen, aber Mika, die Freundin, mit der ich reise.



Hinkommen
Essaouira ist ein beliebter Tagestrip von Marrakesch aus. In dreistündiger Busfahrt erreicht man die Hafenstadt am Atlantik. Wir buchten die Tour über unser Riad in Marrakesch, bezahlt haben wir umgerechnet pro Person rund 27,50 Euro. Alternativ steuern auch ONCF (eine Art Bahnunternehmen, das auch eine Busflotte hat) und CTM (Busunternehmen) Essaouira von Marrakesch aus an; die Ticketpreise sind dann vermutlich günstiger.




Anschließend bahnen wir uns unseren Weg durch fliegende Händler, Einheimische und Touristen in die Medina, die Altstadt Essaouiras. Wir kommen vorbei am Place Moulay Hassan und am Place Orson Welles, unterwegs stärken wir uns mit etwas zu trockenen Crêpes, schlendern durch kleine Gassen, feilschen um Postkarten und andere Souvenirs, bewundern die Schnitzereien in den kleinen Werkstätten entlang der Stadtmauer, passieren die Galerie Damgaard und lassen uns einfach treiben.




Der dritte Game of Thrones-Drehort bleibt uns verwehrt – wegen einer Baustelle. Gerne können wir in einem halben Jahr wiederkommen, sagt uns einer der Bauarbeiter mit verschmitztem Lächeln. Leider sind wir nur ein paar Stunden hier, am Abend geht es für uns wieder zurück nach Marrakesch. Als Alternative suchen wir uns ein Restaurant mit Dachterrasse, von wo aus man die ehemalige Filmkulisse zumindest von oben sieht. Außer uns ist niemand hier oben, ein sehr schöner Moment. Von unten hört man, wie die Wellen an die Stadtmauer klatschen, die Sonne scheint, alles perfekt.




Essaouira, diese Stadt hatten wir zunächst gar nicht auf dem Schirm. Gerne wären wir länger geblieben. Und von dem Wind, für den die Küstenstadt berühmt-berüchtigt ist, haben wir an diesem Tag auch nichts gespürt.



Weiterführende Infos:

Wer mehr über Essaouira lesen möchte, bei Zeit Online findet ihr einen schönen Text über die Stadt.

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2 Comments

  • Reply
    Kaja
    Februar 14, 2017 at 7:28 am

    Wow! Tolle Bilder die Lust auf Essaouira machen! Oft zahlt es sich ja auf Reisen aus, wenn man mal einen Umweg nimmt bzw. etwas erkundet, was man gar nicht geplant hatte! :-)

    Viele Grüße!

    • Reply
      copycat
      Februar 28, 2017 at 12:52 am

      Danke! :) Und ja, da hast du absolut recht – Umwege lohnen sich so oft. :)

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