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Den Hipster-Ort Pai mit dem Rad entdecken

Pai Aussicht White Buddha

Der Rucksack klebt an meinem Rücken. Haare lösen sich aus meinem geflochtenen Zopf, kleben an meinem Gesicht. Alles klebt. Ich schiebe mein rotes Fahrrad den Berg hoch. Und dann noch einen Berg. Und noch einen. Der Korb, der am Lenker befestigt ist, scheppert etwas.

Pai Radtour
Mühsam geht es den Berg hoch / Foto: Melanie Maier

Eigentlich ist unsere Radtour nicht lang, 20 Kilometer insgesamt. Die Umgebung Pais ist aber so hügelig, dass wir oft absteigen und schieben müssen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

„Leiht euch einen Roller aus.“

Das ist der Satz, den ich am meisten höre, als ich Freunde, Bekannte und Follower auf Instagram nach Tipps für den kleinen Ort Pai in Nordthailand frage.

Pai Rollerverleih mit Hund davor
Roller ausleihen? In Pai kein Problem.

Das Problem: Meine Schwester Melanie, die ich für drei Wochen auf ihrer Weltreise ohne Flugzeug in Thailand besuche, und ich sind beide noch nie Roller gefahren. Als Melanie und ihr Freund Alex ein paar Wochen zuvor auf der vietnamesischen Insel Cat Ba das Rollerfahren lernen wollten, sagte der Besitzer nach wenigen Minuten nur „not safe“. Sie mussten wieder absteigen. Also lassen wir das mit dem Roller.

Pai Straße mit Autos und Bergen im Hintergrund
Neben uns sind vor allem Roller und Autos unterwegs

Stattdessen entscheiden wir uns für Fahrräder. Ist ohnehin besser für die Umwelt.

Pai liegt etwa 135 Kilometer nordwestlich von Chiang Mai, der größten Stadt Nordthailands. Trotz der geringen Entfernung dauert die Fahrt im Minivan dorthin ungefähr drei Stunden. Denn die Strecke hat es mit ihren über 700 Kehren in sich: Nichts für schwache Mägen.

Der Ort selbst ist tagsüber nichts Besonderes. Ein paar Straßen mit kleinen Geschäften, Cafés, Restaurants und natürlich Rollerverleihen – das war’s. Abends verwandelt sich der Ortskern („Pai Walking Street“) zu einem Foodie-Himmel: Frisches Obst, thailändische Pancakes, gebratene Maiskolben, Pad Thai, Dumplings, Frühlingsrollen und noch mehr werden feilgeboten. Daneben verkaufen Händler Kleidung, Schmuck und Postkarten.

Ein Geheimtipp ist Pai aber schon lange nicht mehr. Im Zentrum begegnen wir vor allem Backpackern und Expats. Obwohl der Ort sehr touristisch ist, ist die Atmosphäre sehr entspannt.

Der Grund, warum so viele Touristen Pai besuchen, ist die Natur. Die Gegend ist bekannt für ihre Berge, Wasserfälle, Reisfelder und einen Canyon. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind allerdings zu weit weg, um sie fußläufig zu erreichen. Also ab aufs Rad.

Pai Fahrräder
Unsere Räder – kaum Gänge, nicht wirklich gut im Gelände

Wir entscheiden uns für eine Tour in den Südwesten. Der Weg ist zunächst asphaltiert, er führt allerdings auch entlang der Hauptstraße. Ab und zu rauschen Lastwagen und Roller an uns vorbei. Später werden die Straßen holpriger, dafür ist es ruhiger.

Unser erster Stopp ist der „Land Split“. Dieser Mini-Canyon entstand bei einem Erdbeben im Jahr 2008. Bei weiteren Erschütterungen 2009 und 2011 hat sich der Spalt vertieft. Gräser, Farne und Sträucher wuchern in dem ockerfarbenen Krater. An manchen Stellen sogar kleine Bäume. Der Bauer, dem dieses Stück Land gehört, verlangt keinen Eintritt für den Erdspalt. Wer mag, kann aber etwas spenden. Und sich bei einem frisch gepressten Saft in einer der Hängematten ausruhen.

In der Ferne ist der White Buddha zu sehen. Er thront auf einem Berg im Südosten Pais. Am Abend zuvor sind wir die 353 Stufen für den Sonnenuntergang nach oben gestiegen – und wurden mit einer fantastischen Aussicht belohnt.

Nach 2,8 Kilometern Fahrt erreichen wir unser nächstes Ziel, den Pem-Bok-Wasserfall. Zwischen hohen Klippen stürzt das Wasser in die Tiefe – die perfekte Abkühlung an einem heißen Tag.

Pai Wasserfall
Pem-Bok-Wasserfall

Die letzte Etappe zur Bambusbrücke ist sehr steil. Wir schieben die Räder eine Kurve nach der nächsten bergauf. Es lohnt sich. Mit den Bergen im Hintergrund ist die Boon-Ko-Ku-So-Brücke ein tolles Fotomotiv. Hier, mitten in der Natur, ist es bis auf das knirschende Geräusch beim Gehen ganz ruhig. Außer uns sind nur ein paar andere Touristen da. Dadurch, dass sich die Brücke über einen Kilometer entlang der Reisfelder erstreckt, kommen wir uns aber nicht in die Quere. Am hinteren Ende der Brücke gehen wir an Wasserbüffeln vorbei, die friedlich grasen.

Dann geht es zurück nach Pai. Auf dem Rückweg müssen wir manchmal schieben. Immerhin wissen wir, dass es bald wieder bergab geht.

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