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POLAND

Fromme Großmütterchen, die jeden Sonntag in die Dorfkirche gehen, trifft man hier genauso wie junge Hipster, die einen im veganen Streetfood-Restaurant fragen, ob man PokémonGo spielt. Einerseits sind die Einflüsse der Sowjetunion nach wie vor deutlich zu spüren, andererseits orientiert sich Polen gen Westen, ist Teil Europas. Polen ist ein Land voller Gegensätze. Ich habe selten ein Land kennengelernt, dass so polarisiert. Zwölf Tage lang reiste ich Ende Juli mit meiner Schwester durch unser Nachbarland. 

»Jeder sagt etwas anderes über Polen – und alles ist wahr.« – Dieser Satz stand so ähnlich in dem Buch ‚About Polska‘, das unser Host in Warschau rumstehen hatte; und es trifft einfach zu. Jeder, den man fragt, was er von Polen weiß oder hält, sagt etwas komplett anderes – und jeder hat irgendwie recht.

Was wissen wir eigentlich über Polen? – Das haben wir uns vor der Reise gefragt. Nicht viel, lautete vor knapp drei Wochen die nüchterne Antwort. Zwölf Tage lang hatten wir während eines Roadtrips Zeit, unser Nachbarland etwas kennenzulernen. Die Reise führte nach Breslau, Zloty Stok (der Geburtsort unserer Oma), Auschwitz und Birkenau, Krakau, Warschau, Danzig und Posen. Jede Station spannend auf ihre Weise, überall wäre ich gern länger geblieben*.

Wir passierten wunderschöne Landschaften, entdeckten hippe Cafés und Wände mit kleinen Street Art-Kunstwerken, testeten sämtliche Eisdielen, lernten viel über die Geschichte Polens, schauten uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an, besuchten Museen und waren überwältigt ob der vielen Eindrücke. Jeder Tag fühlte sich an wie drei.

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Das Fazit der Reise: Tausende Fotos, viele Videos und ein etwas besseres Bild von Polen. Es bleiben das Gefühl, noch so vieles von dem Land nicht gesehen zu haben, und das Bedürfnis, noch einmal zurückzukehren.

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Das habe ich auf der Reise über Polen gelernt:

  • In Polen leben nahezu keine Ausländer. Von den rund 38,5 Millionen Einwohner haben 37 Millionen Menschen keinen Migrationshintergrund. Im Vergleich: In Deutschland hat jeder Fünfte Vorfahren aus dem Ausland bzw. wurde irgendwo anders geboren.
  • Die Polen sind tatsächlich sehr gläubig. Das bemerkt man nicht nur an der vielleicht höchsten Kirchendichte der Welt, sondern schlägt sich auch in Statistiken nieder. Angeblich sind 33,7 Millionen Polen römisch-katholisch getauft.
  • Am Strand wird Popcorn verkauft. Warum eigentlich auch nicht?
  • Die Polen stehen auf Eis. Wirklich überall wird Eis verkauft.
  • Polen hat wahnsinnig schöne Städte. Die bunten Häuser sind kein Klischee; selbst in kleineren Städten sind die Häuser am Marktplatz und in Rathausnähe sehr hübsch.
  • Gleichzeitig findet man viele heruntergekommene Häuser; teilweise auch ganze Straßen, die aussehen, als hätte jahrelang keiner mehr darin gewohnt. Irgendwie haben aber selbst diese Häuser ihren Charme.
  • In Polen Auto zu fahren, ist sehr abenteuerlich. Aber dazu ein anderes Mal mehr.
  • Viele junge Polen sprechen kein oder nur schlechtes Englisch. Bei älteren Leuten kann es sehr schwierig werden, sich auf englisch zu unterhalten.
  • Neben den vielen Wäldern gibt es auch viele Seen. Überhaupt ist die Natur sehr schön: Sattgrüne Wiesen, Maisfelder, kleine Hügel, Berge, Strand und Meer.
  • Es gibt erstaunlich viele vegetarische, teils sogar vegane Restaurants. Da war ich positiv überrascht – ich hätte gedacht, dass es als Vegetarier in Polen sehr viel schwieriger werden könnte.
  • PokémonGo ist auch in Polen angekommen.
  • Auch in Polen trifft man auf Hipster. Man findet auch sehr viele hippe Cafés und Bars.
  • Es ist wirklich günstig – das ist kein Klischee. Oft aßen wir zu zweit für vier, fünf Euro zu Mittag – Getränke inklusive. Für Museen und andere Sehenswürdigkeiten zahlt man oft nur ein, zwei Euro Eintritt. Nur guter Kaffee, der ist ungefähr ähnlich teuer wie bei uns.
  • Leider ist man in Polen auch nicht vor deutschen Touristen sicher.
  • Man sollte immer nur dort essen gehen, wo auch Einheimische essen.

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Warum fährt eigentlich kaum jemand nach Polen? – Diese Frage stellten wir uns auf der Reise so oft. Ja, warum eigentlich nicht?

Gerade einmal 7,3 Prozent der deutschen Urlauber fuhren 2015 laut Deutschem Reiseverband nach Osteuropa (hier nachzulesen). Polen wählten gerade einmal 2,5 Prozent der Deutschen als Urlaubsdestination. Betrachtet man Kurzurlaube, so taucht Polen in der Statistik nicht einmal mehr auf. Tatsächlich blieben 28,9 Prozent lieber gleich in Deutschland (bezogen auf Urlaubsreisen ab fünf Tagen); im Ausland war 2015 die Mittelmeer-Region am beliebtesten (37 Prozent). Natürlich gibt es in Europa wahnsinnig viele Orte zu sehen. Dennoch lohnt sich ein Besuch in unser Nachbarland, denn:

Polen ist so vielfältig, die Natur ist einfach nur schön, man kann wandern, ans Meer fahren oder spannende Metropolen erleben. Es gibt unglaublich viel zu sehen, zu bewundern und zu lernen. Dementsprechend wurde uns schnell bewusst, dass zwölf Tage für die ganzen Stationen im besten Falle einem Teaser gleichen, einem Vorgeschmack. Und eins steht für mich nach dieser Reise fest: Ich komme wieder; am besten mit mehr Zeit, vielleicht auch Zeit zum Wandern und noch mehr Zeit am Meer.

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*Zu den einzelnen Etappen unserer Reise und das Autofahren in Polen gibt’s bald mehr auf dem Blog zu lesen.

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