TESTED

Ausprobiert: Snapchat

Eigentlich dachte ich immer, Snapchat sei nichts für mich. Vor sechs Monaten habe ich der Sache dann aber doch mal eine Chance gegeben. Warum genau, weiß ich selbst nicht so recht. Vielleicht aus Neugierde. Vielleicht weil bei Instagram und mir etwas die Luft draußen ist. Vielleicht, weil ich Lust auf etwas Neues und endlich genügend Speicherplatz auf dem Handy hatte. Die Penisbilder blieben (zum Glück?!) aus, unmoralische Angebote gab es trotzdem. Ein Resümee.

Das erste Mal gehört von Snapchat hatte ich bereits 2013 während eines Praktikums; damals hatte ich aber noch meinDatei 03.05.16, 14 28 42 uraltes HTC. Genügend Speicherplatz? Fehlanzeige. Im November (2015) bekam ich dann endlich ein neues Handy – und damit auch Snapchat.

Schon nach wenigen Tagen wollte ich Snapchat wieder vom Handy löschen. Mir ging’s so wie vielen, wenn man sich die Artikel durchliest, die derzeit im Netz kursieren: Ich empfand die App als nicht intuitiv, verstand den Zweck dahinter nicht so ganz (Geht’s hier nur darum, sich geheime Bilder zu schicken, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind?) und fühlte mich etwas verloren.

So schnell aufgeben wollte ich aber auch nicht, das ist einfach nicht meine Art. Ich bin ziemlich dickköpfig und wenn man schon als digital native bezeichnet wird, etwas mit Medien studiert, dann kann’s doch auch nicht angehen, dass 13-jährige Teenager besser damit umgehen können. Was anfangs erschwerend hinzu kam: Wem soll ich hier überhaupt folgen? Und wie mache das überhaupt?

Datei 03.05.16, 13 23 26Die Erleuchtung kam learning by doing. Zunächst fügte ich meine Bekannten hinzu, die in der Kontaktliste erschienen. Danach recherchierte ich im Internet, probierte viel aus – und lernte immer mehr dazu. Über Instagram, Blogs und Facebookgruppen fand ich andere Snapper.

Bei der Social Media Week in Hamburg hörte ich mir außerdem einen Vortrag über Snapchat an; die meisten Sachen, die dort vorgestellt wurden, kannte ich inzwischen schon. Aber es waren auch ein paar neue Dinge dabei und das Beste daran: Man konnte sich direkt vor Ort mit anderen vernetzen.

Wofür nutze ich Snapchat?
Ich teile auf Snapchat überwiegend Bilder aus meinem Alltag; ab und zu poste ich auch ein Video, aber so ganz daran gewöhnt, quasi mit mir selbst zu sprechen, habe ich mich noch nicht. Es fühlt sich immer noch etwas merkwürdig an. Meistens poste ich Bilder von unterwegs, manchmal erzähle ich etwas über meinen Alltag, was mich gerade beschäftigt. So ganz genau, in welche Richtung das Ganze gehen soll, weiß ich noch nicht. Ich bin wahrscheinlich immer noch am Ausprobieren.

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Wenn ihr neu bei Snapchat seid, kann ich euch das E-Book Snap me if you can von Philipp Steuer empfehlen, das könnt ihr kostenlos herunterladen. Inzwischen findet ihr aber auch Guides von sämtlichen Medien, Journalisten und Bloggern über Snapchat (z.B. hier, hier oder hier). Am besten ist es, einfach so viel wie möglich auszuprobieren. Wie geht das mit den Filtern? Wie kann ich mehrere übereinander legen? All das kommt nach und nach. Ganz wichtig: Die erste Frustration durchstehen und nicht aufgeben. Irgendwann fällt der Groschen.

Warum nutze ich Snapchat?
Snapchat ist authentischer als Instagram, Facebook oder Twitter. Natürlich kann man mit Filtern, Hintergrundmusik, Szenenauswahl usw. immer noch viel inszenieren. Aber man fühlt sich den Personen hinter dem Smartphone irgendwie näher – weil sie einem Orte zeigen, die man sonst nicht sieht; weil sie Dinge erzählen, die man auf dem Blog nicht schreiben würde – da sie einfach zu banal wären; weil vieles doch spontan und Datei 03.05.16, 14 28 09ehrlich ist; weil man durch die Selektion von dem, was gezeigt wird, mitkriegt, wie die Person so tickt. Und ja, oft ist viel Alltagsgelaber dabei, vieles ist wirklich langweilig.

Aber manche Geschichten sind richtig spannend: So hat Cecilita zum Beispiel mal die Kuba-Krise und Barack Obamas Besuch dort eingeordnet oder von ihrem Besuch im Stasi-Gefängnis Hohen Schönhausen erzählt; von Eva Schulz habe ich etwas über die Präsidentenwahl in Österreich erfahren und Daniel Bröckerhoff gibt regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen von heute+. All das würde man ohne Snapchat wahrscheinlich sehen.

Außerdem macht es auch einfach Spaß: Man kann mit den verschiedenen Filtern spielen, mit Freunden Gesichter tauschen (faceswap) oder auch einfach mal Momentaufnahmen schicken, die man nicht unbedingt ewig speichern will.

Hinzu kommt, dass ich über Snapchat schon so viele coole Leute kennengelernt habe. Es ist einfach viel direkter und persönlicher als Instagram oder Twitter.

Wem folge ich?
Ich folge einer Mischung aus persönlichen Kontakten, Bloggern, Journalisten und „Normalos“, die mir von anderen Snapchattern empfohlen wurde. Manche Kontakte habe ich auch über Instagram gefunden. Also alles querbeet. Je nach Laune schaue ich alle Geschichten durch oder nur die von einzelnen Personen.

Weiterempfehlen würde ich:

  • Daniel Bröckerhoff, bei Snapchat doktordab
    – Wer ist das: Journalist, u.a. bei heute+, snappt viel über seine Arbeit, aber auch seinen Alltag
    – Empfehlenswert, weil: man Einblick hinter die Kulissen beim Fernsehen erfährt und er einfach sympathisch ist.
  • Gesa, bei Snapchat Lila_temm
    – Wer ist das:
    Eine Studentin (Kommunikationswissenschaft & Soziologie) aus München
    – Empfehlenswert, weil: sie ihre Bachelorarbeit über Snapchat schreibt und lustige Umfragen mit den Nutzern macht; außerdem kann ich mich total in ihre Lage hineinversetzen; hinzu kommt, dass sie einfach sehr natürlich und sympathisch wirkt
  • Juli, bei Snapchat heimatpott
    Wer ist das: Juli lebt mit ihren zwei Katzen in Essen und bloggt auf heimatPOTTential über das Ruhrgebiet; außerdem arbeitet sie als Sozialpädagogin
    – Empfehlenswert, weil:
    ihre Geschichten einfach immer Spaß machen. Sie liebt Batman, hat einen Faible für kitschige Kirschblütenfotos und erzählt aus ihrem Alltag – mit allen Höhen und Tiefen. Mit dabei: Ihr zwei Katzen und eine seltsame Liebe zum Discounter Penny. Hört sich alles etwas crazy an, ist es vielleicht auch. Aber genau deshalb mag ich die Storys von ihr so sehr.
  • Mervat, bei Snapchat bloggmama
    – Wer ist das: Auf Instagram beschreibt sich Mervat als „Berlin City Mom“; sie hat zwei Kinder, ist verheiratet und wohnt in Berlin
    – Empfehlenswert, weil: sie die wahrscheinlich coolste Mum des Internets ist. Sie ist auch etwas crazy, macht lustige Zahnputz-Snaps und man muss sie einfach mögen. Schwer zu beschreiben, macht euch am besten selbst ein Bild.
  • Eva Schulz, bei Snapchat hurraeva
    – Wer ist das: Eva ist Journalistin, sie lebt derzeit in Wien und beschäftigt sich mit fremden Kulturen, internationaler Politik und Stadtentwicklung
    – Empfehlenswert, weil: sie informative Geschichten auf Snapchat erzählt. Sei es über die Anschläge in Brüssel, die Präsidentschaftswahl in Österreich oder Stadtentwicklung. Einziger Wehrmutstropfen: Sie snappt sehr unregelmäßig.
  • Cecilita, bei Snapchat motionandgrowth
    – Wer ist das:
    Eine Bloggerin und Studentin (Global History) aus Berlin; sie ist in Kuba geboren, wohnt aber seit einiger Zeit in Deutschland
    – Empfehlenswert, weil:
    sie super spannende Geschichten erzählt – über ihren Aufenthaltsstatus, über die Kuba-Krise oder auch aus ihrem Alltag.
  • Florian Prokop, bei Snapchat florianprokop
    – Wer ist das: Angehender Journalist (ze.tt und Radio Fritz) und Student aus Berlin
    – Empfehlenswert, weil: er einerseits interessante Geschichten für ze.tt macht und andererseits einfach sehr sympathisch ist. Außerdem hat er einen sehr süßen Hund (und das sage ich als cat person).

Natürlich gibt es noch viele weitere tolle Snapper, denen ich folge. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

In diesem Sinne: Happy snapping!

Seid ihr auf Snapchat? Wem sollte man folgen?

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1 Comment

  • Reply
    Denise
    März 3, 2017 at 9:52 pm

    Also ich bin ja auch schon länger auf Snapchat ( fashion_andlife ) und es stimmt total was du schreibst. Es ist einfach ehrlicher und man kann hier wirklich auch mal über die „sinnlosesten“ und eventuell auch „langweiligsten“ Themen reden (im Gegensatz zu anderen Kanälen). Aber so ganz habe ich mich bis heute noch nicht mit all den Funktionen angefreundet! Vielleich sollte ich mich echt mal wieder mehr damit beschäftigen und ausprobieren :D
    Viele Grüße
    Denise von
    https://lovelifebloggerlife.blogspot.co.at/

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