TRAVEL

Winterwandern in der Sächsichen Schweiz

Nach einer Kehre hört der Weg einfach auch, vor uns ist eine Leiter. „Fuck“, denke ich und folge Sabine, mit der ich für ein Wochenende zum Wandern in die Sächsische Schweiz gefahren bin, nach oben. „Wir machen das jetzt also wirklich“, höre ich mich kurz darauf sagen und klettere die schmalen Sprossen nach oben. Es sollen noch mehr Leutern und Metalltreppen folgen – bis ganz nach oben, zu den Schrammsteinaussichten. Aber: Jeder Meter lohnt sich. Und die Panik bleibt aus.

In die Sächsische Schweiz wollte ich seit Jahren einmal fahren; regelmäßig scrolle ich in meinem Insta-Feed über die Basteibrücke, sie ist quasi das Fotomotiv der Region. Die bizarre Felsenlandschaft des Elbsandsteingebirges ist seit September 1990 als Nationalpark geschützt.

Aussicht auf Sandsteine
Im Elbsandsteingebirge

Hinkommen

Von Hamburg aus nehmen wir den EC Richtung Prag und erreichen ohne Umsteigen Bad Schandau nach knapp fünf Stunden. Der Zug hält auch in Berlin und Dresden.

Unterkunft

Wir entschieden uns für ein Zimmer mitten im Zentrum von Bad Schandau, das wir über booking.com gefunden haben (nein, ich bekomme dafür kein Geld). Eigentlich dachten wir, dass bei dem Apartment eine Küche dabei sein würde – dem war leider nicht so (wir hätten die Beschreibung genauer lesen sollen; denn manche Wohnungen im Haus haben eine Küche).

Insgesamt war es aber vollkommen ausreichend für zwei Nächte, wir hatten eine schöne Aussicht auf den Ort und es war sehr ruhig. Der Vermieter war auch sehr nett, wir durften auch nach Check-out das Gepäck noch im Haus lassen.

Einziger Haken: Das WLAN funktionierte manchmal nicht; das ist an sich keine große Sache, das Problem war nur, dass wir auch kaum mobiles Netz hatten. Dementsprechend gestaltete sich die Recherche nach Wanderungen, S-Bahn-Verbindungen und Co. als etwas schwierig.

Bad Schandau: Aussicht auf den Ort
Blick auf Bad Schandau

Restaurants und Cafés

Wir waren Ende Januar dort – also in der absoluten Off-Season. Dementsprechend hatten die meisten Restaurants und Cafés Winterpause. Informiert euch am besten davor.

Zum Frühstücken gingen wir am einen Tag einfach in die Bäckerei Schurz nebenan, am anderen Tag buchten wir für 13 Euro über unseren Vermieter noch Frühstück dazu – im 4-Sterne-Hotel Lindenhof durften wir uns dann am Buffett bedienen. Die Auswahl war echt groß, Kaffee und Tee schon dabei – wir hatten eine ganze Kaffeeekanne für uns –, ich kann es empfehlen.

Eingepackt und mit Wanderschuhen

Abends waren wir mal zum Pizza bzw. Pasta essen in der Toskana Therme – es war zu dieser Uhrzeit das einzige italienische Restaurant, das geöffnet war. Ansonsten hat uns der Vermieter aber noch das Restaurant Elbflorenz empfohlen; da wir selbst nicht dort waren, kann ich dazu nicht viel mehr sagen. In Bad Schandau selbst gibt es aber auch einen kleinen Supermarkt im Ortskern und einen Lidl sowie dm etwas außerhalb, falls ihr euch selbst verpflegen wollt.

Am zweiten Tag waren wir nach der Wanderung im Nachbarort Schmilka im Café Richter essen – wir entschieden uns für Kürbissuppe und Pilzrisotto, beides sehr zu empfehlen. Es gibt aber auch eine gute Kuchenauswahl, solltet ihr zum Kaffee herkommen. Schmilka ist Biodorf, wenige Kilometer von Bad Schandau entfernt. Der Ort wurde laut Webseite sogar mal zum „schönsten Dorf Sachsens“ gewählt.

Wanderungen

Unser Must See war die bekannte Basteibrücke. Also fuhren wir am ersten Tag mit der S-Bahn in den Kurort Rathen (die Fahrt dauert nur 9 Minuten), fuhren mit der Fähre auf die andere Elbseite – und wanderten los. Der Weg ist nicht zu verfehlen, kurz nach der Fähranlegestelle steht ein großes Schild mit verschiedenen Wanderwegen.

Schwedenlöcher

Wir entschieden uns für den längeren und etwas anstrengenderen Weg über die Schwedenlöcher; eigentlich kommt man hier auch zum Amselsee. Als wir da waren, war dieser Wegabschnitt jedoch gesperrt. Dennoch war es eine schöne, kleine Wanderung, die auch mit wenig Kondition gut machbar ist. Im Panoramarestaurant wärmten wir uns etwas auf – und gönnten uns ein Stück Kuchen. Die Aussicht ist hier an klaren Tagen sicher super schön; bei uns war es etwas trüb.

Über viele Treppen ging es nach oben

Und dann war sie plötzlich vor uns: die Basteibrücke. Irgendwie ein surreales Gefühl, an dem Ort zu sein, den ich zuvor schon so lange von Bildern „kenne“. Wir hatten Glück, die Sonne kam etwas heraus und wir konnten noch ein paar schöne Fotos machen (auch wenn mein eines Objektiv kurz zuvor leider kaputtging…).

Die Basteibrücke


Die Wanderung ist auf jeden Fall in wenigen Stunden gut machbar. Aber natürlich lohnt es sich für schöne Fotos, zum Sonnenauf- oder -untergang herzukommen. Wer schlecht zu Fuß ist oder wenig Zeit hat, kann auch mit dem Auto hochfahren.

Am zweiten Tag entschieden wir uns für eine anspruchsvollere Tour zur Schrammsteinaussicht. Wir hatten zuvor mit dem Vermieter darüber gesprochen – als er von Leitern, Treppen und Klettern erzählte, sah ich uns noch nicht dort. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir uns getraut haben. Und ja, wenn man keine Höhenangst hat, muss man sich nicht trauen; wir hatten etwas Respekt davor – jeder ist eben anders.

Im Ortsteil Ostrau


Von Bad Schandau aus wanderten wir in den Ortsteil Ostrau (der Wanderbus fährt hier auch hin, den Weg kann man sich theoretisch also auch sparen). Danach folgten wir mehr oder weniger den Schildern zur Schrammsteinaussicht – mal einfache Waldwege entlang, mal mit leichtem Anstieg und am Ende eben über mehrere Leitern und Treppen nach oben.

Immer dem Schild nach

Nach dem vorletzten Aufstieg wurden wir überrascht: Plötzlich war alles weiß. Mit Schnee hatten wir so gar nicht gerechnet, aber es sah bezaubernd aus (auch wenn alles dadurch etwas rutschiger wurde).


Die Sicht war dementsprechend stark eingeschränkt, aber es war trotzdem fantastisch. Anschließend machten wir uns an den Abstieg; von Schmilka aus fuhren wir mit dem Wanderbus nach Bad Schandau zurück.

Natürlich gibt es noch viel mehr Wanderungen in der Region – für jedes Level ist etwas dabei. Ich werde auf jeden Fall noch mal herkommen. Dann aber im Sommer oder Herbst, wenn man etwas mehr sieht. Zwischendurch war es auch echt kalt – wir hatten so um die minus drei Grad.

Schrammsteinaussicht, fotografiert von Sabine

Kosten

Die Zugfahrt hat pro Person hin und zurück rund 70 Euro (mit Bahncard 25) gekostet; für die Unterkunft zahlten wir für zwei Übernachtungen 114 Euro, also 57 Euro pro Person. Hinzu kommen S-Bahn-Tickets, Tickets für die Fähre in Rathen und natürlich essen.

Wart ihr schon mal im Winter wandern? Wenn ja, was könnt ihr empfehlen?

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply