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Things to do and see in Breslau (Wroclaw)

Ähnlich wie Bratislava gehört Breslau zu diesen europäischen Städten, die man so gar nicht auf dem Schirm hat. Zu Unrecht: Denn die viertgrößte Stadt Polens spricht sowohl Architektur- als auch Geschichtsinteressierte an, hat ein aufregendes Nachtleben und ist 2016 nicht ohne Grund zur Kulturhauptstadt der UNESCO gewählt worden.

Ich hatte keinerlei Erwartungen an den ersten Stopp unserer Polen-Rundreise, Breslau, und war am Ende sehr positiv überrascht. Allein diese bunten Häuser um den mittelalterlichen Marktplatz mit den ganzen Verzierungen und Schnitzereien – ich hätte jedes einzelne fotografieren können, wären wir länger geblieben.

Ideal wäre ein Wochenende, wir verbrachten einen richtigen Tag in Breslau, oder Wrocław, wie der polnische Name lautet; denn nach der zweiten Nacht fuhren wir bereits weiter gen Krakau.

Aber, und das gehört zu den Vorzügen Breslaus:  Auch mit knappem Zeitbudget kann man viel ansehen. Denn die meisten Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander – um den alten Marktplatz verstreut –, und sind fußläufig gut zu erreichen. Bisher ist Breslau noch nicht ganz so überlaufen, was einen Aufenthalt sehr angenehm macht.

Mit unserem Apartment hatten wir großes Glück – zentraler hätte es nicht liegen können, denn vom Wohnzimmerfenster aus konnten wir aufs Rathaus schauen. Dementsprechend waren wir zunächst ob der tollen Aussicht ziemlich geflasht; anders kann ich es nicht beschreiben. Auch sonst war die Wohnung sehr schön: geräumig, hell und mit allem, was man brauchte (abgesehen von einer Kaffeemaschine, aber das ist eine andere Geschichte). Abends konnten wir bei geöffnetem Fenster der Live-Musik draußen auf dem Marktplatz zuhören, das war auch sehr schön.

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Die Aussicht aus unserem Apartment

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Schlafzimmer und Flur im Apartment

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Aussicht bei Nacht

Den ersten Abend waren wir im Literatka, einem Café, das sich abends in eine Bar verwandelt. Das ist übrigens in Polen bei sehr vielen Cafés so üblich. Von außen wirkt das Literatka etwas unscheinbar: Über der Terrasse ist eine Art Plastikplane gespannt, sodass man auch bei Regen draußen sitzen kann. Dadurch, dass das Café direkt am Rynek (Marktplatz) liegt, denkt man zunächst, dass es sich womöglich um eine reine Touri-Falle handelt; dem ist aber nicht so. Drinnen warten gemütliche mit Plüsch bezogene Polstersessel, der vordere Raum ist in einem warmen Rot gehalten, der hintere moosgrün gestrichen. Gefühlt stehen überall Bücher, auf einem Fenstersims verstaubt eine Schreibmaschine. Kunstvolle Illustrationen von Mode-Schnittmustern zieren die Wände.

Während wir auf einem abgewetzten braunen Ledersofa sitzen und unsere Cocktails trinken, philosophierten wir darüber, wie es hier wohl früher aussah. Wahrscheinlich kam man zum Lesen und Rauchen hierher, vermutlich schicker gekleidet, als es heute die meisten Gäste tun. Wie dem auch sei: Wir fühlen uns hier sehr wohl. Ich kann’s nur empfehlen.

Kawiarnia Literatka
Rynek 56/57

Unseren Spaziergang durch die Stadt starteten wir am Stary Rynek (Alten Marktplatz), da wir hier auch wohnten. Um den Ring, wie der Platz auch genannt wird, erstrecken sich die wichtigsten Wahrzeichen: Von hier aus erreicht man den Salzmarkt (Plac Solny) – mit kleinem Blumenmarkt –, die Magdalenenkirche (eine gotische Backsteinkirche) und natürlich das alte und das neue Rathaus. An der nordwestlichen Ecke des Rings findet man Hänsel und Gretel (Jaś i Małgosia), zwei Pfarrhäuser, die durch ein Bogentor verbunden sind.

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Hänsel und Gretel

 

Auffällig sind die kleinen Zwergstatuen, die man in der ganzen Stadt findet. Angefangen als studentisches Kunstprojekt, gibt es mittlerweile über 300 Exemplare der sogenannten Breslauer Zwerge. Heute begeistern sie vor allem Kinder – und eben Touristen.

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Gefühlt überall in Polen bekommt man Eis; ich hätte nie gedacht, dass Polen eine Eis-Nation ist; irgendwie habe ich davor eher traditionelles Essen wie Pieroggi mit Polen assoziiert. Besonders empfehlen kann ich die Eisdiele Lody Naturalne Baroli – sehr netter Service, leckeres Eis und gute Waffeln. Und eben bio. Dementsprechend kostet eine Kugel Eis auch umgerechnet einen Euro – für polnische Verhältnisse eher teuer; aber die Kugeln sind recht groß, sodass eine absolut reicht.
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Lody Naturalne Baroli
Szewska 59

Ein Abstecher in die Universität von Breslau lohnt sich ebenfalls – ja, richtig gelesen. Denn das Universitätsgebäude ist nicht nur von außen ganz hübsch und imposant, sondern hat wunderschöne Deckenfresken. Und dekadente Gemälde der ehemaligen Dekane. Außerdem steht direkt daneben die wahrscheinlich prunkvollste Kirche Polens. Unbedingt reingehen!

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Flur im Universitätsgebäude

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Kirche neben der Universität

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In Universitätsnähe haben wir im Bazylia gegessen, einer Art Kantine. Das Gute daran: Man kann sich an einem großen Buffet selbst die Speisen zusammenstellen, alles ist frisch – und unglaublich günstig. Wir zahlten für zwei Mittagessen und einen Smoothie gerade einmal 7,50 Euro.

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Bar Bazylia

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Essen für unter 4 Euro pro Person

Bar Bazylia
ul. Kuznicza 42
täglich 10-19 Uhr

Überquert man die knallrote Brücke Most Piaskowy, so erreicht man die Sand- und Dominsel – eine größere Kirchendichte habe ich bisher noch nicht gesehen. Wer Breslau gerne mal von oben sehen möchte, sollte auf den Dom (Johannes Kathedrale) gehen; mit knapp 98 Metern Höhe gelten dessen Kirchtürme als die höchsten Breslaus (Kostenpunkt: zwei Euro ermäßigt – für beide Karten). Insgesamt sind hier schon mehr Touristen unterwegs. Im Sommer kann man es am Ufer der Oder gut aushalten.

Zurück auf der anderen Seite, lohnt es sich, durch den alten Markt zu schlendern. Neben frischem Obst und Gemüse werden hier auch Gebäck, Fleisch und gewöhnungsbedürftige Kleidung angeboten. Überall duftet es nach Erdbeeren, Kirschen und anderen Früchten – also besser nicht hungrig hingehen.

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Markthalle Breslau

Möchtet ihr mal eine andere Küche ausprobieren, geht auf einen Snack ins U Gruzonia – hier bekommt ihr kleine georgische Köstlichkeiten und leckere Säfte – auch to go. Das Interieur ist ziemlich hipp; es lohnt sich also auch, sich für einen Moment reinzusetzen und mal eine Pause zu machen. Gezahlt haben wir hier zehn Euro zu zweit (Essen inklusive Getränke).

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U Gruzina
Curie Skłodowskiej 3a
täglich 11-21 Uhr

Breslau auf einen Blick

  • Mit über 630.000 Einwohnern ist Breslau die viertgrößte Stadt Polens nach Warschau, Krakau und Łódź.
  • Breslau liegt an der Oder und ist Hauptstadt der historischen Region Schlesien.
  • Die Stadt wurde auf zwölf Inseln errichtet, sodass viele Kanäle durch sie durchfließen. Mit über 100 Brücken ist Breslau eine richtige Wasser-Stadt.
  • Breslau war in der Vergangenheit sehr umkämpft; in der Schlacht um Breslau 1945 wurde die Stadt fast komplett zerstört, darunter waren auch viele Kulturdenkmäler.
  • Das Klima ist gemäßigt und ist mit dem in Berlin vergleichbar.
  • Hinkommen: Aktuell fährt zwischen Berlin und Breslau der Kulturzug, Hin- und Rückfahrt kosten nur 38 Euro. Wir zahlten mit Sparpreis und Bahncard 25 lediglich 14,20 Euro pro Person von Berlin nach Breslau. (Stand August 2016)

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Außerdem sehenswert ist das Museum Panorama Racławice: Hier wird eines der größten Panorama-Bilder der Welt gezeigt (15 x 114 Meter), auf dem die Schlacht bei Raclawice abgebildet ist; in diesem Kampf besiegte die polnische Armee die russische im Jahr 1794. Hört sich zunächst nicht allzu spannend an, ist aber ganz cool. Zumal man auch etwas über die Hintergründe der Schlacht erfährt – und irgendwie nicht sieht, wo das Bild anfängt und aufhört. Der Eintritt ist für polnische Verhältnisse (ermäßigt 6 Euro pro Person) relativ teuer.

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Panorama von Racławice
Jana Ewangelisky Purkyniego 11

Wir waren zwar leider nicht drinnen, aber ich habe auf mehreren Blogs darüber gelesen und von außen sah es auch cool aus: gemeint ist das Vinyl Café.

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Vinyl Café
Kotlarska 35-36
10-24 Uhr geöffnet

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Leider hatten wir nicht mehr Zeit in Breslau; ich wäre gerne noch ein paar Tage länger geblieben.

Am besten ist es, ihr lasst euch einfach treiben, schlendert durch die schönen Gässchen, testet euch durch die Cafés und Restaurants, setzt auch ans Flussufer und genießt das entspannte Ambiente der Stadt. Denn obwohl wir Mitte/Ende Juli dort waren, war die Stadt überhaupt nicht überlaufen. Auch bei Nacht ist Breslau sehr schön.

Dadurch, dass Breslau 2016 UNESCO-Kulturhauptstadt ist, ist auch einiges los. Leider haben wir das internationale Film-Festival verpasst; aber vielleicht habt ihr ja mehr Glück, solltet ihr dieses Jahr noch hinfahren. Hier erfahrt ihr mehr.

Wart ihr schon einmal in Breslau? Was sind eure Insidertipps?

Weitere Empfehlungen von anderen Blogs und Websites:

 

Die Bilder hat teilweise meine Schwester Melanie fotografiert; sie liegen dementsprechend unter ihrem Urheberrecht.

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