Interview

Zwischen Küste, Bergen und Lamas: Ecuador

Ecuador war vor einem Monat wegen eines schweren Erdbebens überall in den Medien. Trotzdem lohnt sich ein Besuch in das südamerikanische Land. Meine Freundin und Bloggerin Ariane verrät im Interview, warum. Sie absolviert in Quito zwischen Bachelor und Master ein dreimonatiges Praktikum und plant, danach noch anderthalb durch die Nachbarländer zu reisen. 

Ariane, wie gehst du mit dem Erdbeben um, das kürzlich die Erde in Ecuador erschüttert hast? Hat das für dich irgendwas geändert?
In Quito ist zum Glück fast nichts passiert. Einige wenige Häuser im Süden mussten evakuiert werden, und im Norden sind wohl ein paar Fenster zu Bruch gegangen. Aber das Leben ist hier mehr oder weniger normal weitergelaufen, auch, wenn in den ersten Tagen noch der Notstand verhängt war. Die Spendenbereitschaft hier war zum Glück gewaltig – langsam sind alle Menschen in den betroffenen Gebieten mit Soforthilfe versorgt. Schwieriger wird nun natürlich der Aufbau. Ich hoffe sehr, dass man nicht versuchen wird, alles irgendwie wieder aufzustellen, sondern diesmal auf eine erdbebensichere Bauweise und hochwertige Materialien achtet, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Du warst bereits nach dem Abitur für ein Jahr in Lima (Peru). Wie bist du darauf gekommen, ein Vierteljahr in Ecuador zu leben und zu arbeiten? Was reizt dich an diesem Land?
Genauso wie damals Peru war Ecuador eigentlich nicht meine Entscheidung. Für mein Praktikum konnte ich neun verschiedene Standorte mit gleicher Priorität angeben und habe einfach mal ganz Lateinamerika ausgewählt. Die Zusage kam dann eben aus Quito. Für mich war es super, weil ich nochmal etwas Neues kennenlernen kann, aber dennoch nicht zu weit weg von Peru bin – nach vier Jahren war es mir wichtig, dem Land mal wieder einen Besuch abzustatten. Das Besondere sowohl an Peru als auch an Ecuador ist die enorme Diversität. Es gibt in beiden Ländern sowohl Küstenlandschaften als auch Berge bis über 6.000 Meter und weitläufige Regenwaldgebiete. Eine so hohe Vielfalt findet man wohl kaum in einem anderen Land. Noch dazu mag ich das Magische, das Übernatürliche, das im Alltag beider Länder noch weit verbreitet ist. In Peru zum Beispiel, selbst in der Millionenstadt Lima, sind Geister und Schamanen allgegenwärtig.

Das Leben im Ausland ist ja oft ganz anders als daheim. Gibt es so was wie Alltag? Falls ja, wie sieht er aus?
Na klar! Und der stellt sich zumindest bei mir früher ein, als mir lieb ist. Nach ein paar Tagen kennt man sich ja in seiner Wohngegend aus, und wenn man arbeitet, hat man ja ohnehin nur am Wochenende Zeit für Ausflüge. Gerade momentan falle ich abends früh ins Bett, da ich das Arbeiten nach dreieinhalb Jahren Studium nicht mehr gewohnt bin. Außerdem blieb der Kulturschock bisher aus, schließlich kenne ich bereits Peru und arbeite hier mit Deutschen zusammen. Aber natürlich gibt es trotzdem immer kleine Situationen, die einem zeigen, dass man gerade in einem anderen Land lebt – mal auf die gute, mal auf die ärgerliche Art.

»Das Besondere an Ecuador ist die enorme Diversität: Es gibt sowohl Küstenlandschaften als auch Berge bis über 6.000 Meter und weitläufige Regenwaldgebiete. Eine so hohe Vielfalt findet man kaum in einem anderen Land.«

Was machst du bzw. hast du gemacht, um „anzukommen“?
Am Anfang klappere ich gern ein paar touristische Sehenswürdigkeiten ab. So hat man direkt einen schönen Einblick und sieht mal etwas Ungewöhnliches. Ansonsten finde ich es wichtig, Leute zu haben, mit denen man etwas unternehmen kann. Die ersten Tage habe ich also auch viel damit verbracht, gemeinsame Ausflüge, Abendessen und Ähnliches zu planen, um Leute kennenzulernen. Und zuletzt ist es natürlich auch wichtig, sich Teile des Alltags sozusagen zu erarbeiten. Ich suche dann zum Beispiel nach Cafés in meiner Nähe, in denen ich arbeiten kann, wenn mir der Sinn danach steht, nach guten Restaurants oder regelmäßigen Veranstaltungen.

ecuador

Wenn du Deutschland mit Ecuador vergleichst: Was sind die größten Unterschiede?
Uff, das fragen mich erstaunlich viele Menschen und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Der ganze lateinamerikanische Kontinent hat natürlich eine andere Geschichte und eine andere Kultur als beispielsweise Deutschland. Noch dazu ist die wirtschaftliche Situation eine andere, gerade in Ecuador, was zur Zeit eine heftige Wirtschaftskrise durchlebt. Was mir in meinem Alltag wohl am meisten auffällt, ist das konservativere Sozialleben hier. Junge Menschen leben normalerweise bei ihren Eltern, bis sie verheiratet sind, Beziehungen zum anderen Geschlecht werden zu Hause höchst kritisch beäugt und allgemein ist es hier nicht so, dass man ab 18 eigene Entscheidungen trifft. Wobei sich das momentan auch etwas auflöst – Grund sind die vielen Stipendien für ein Studium im Ausland, die die ecuadorianische Regierung verteilt hat. Viele junge Ecuadorianer haben so zum ersten Mal alleine gelebt und wollen sich, zurück in der Heimat, nicht wieder in die strengen Strukturen einpassen.

Auf heldenwetter.de teilt Ariane ihre Gedanken, Reise- und Fotoinspirationen. Sie schreibt Geschichten und lässt den Leser Teil haben an ihren Erlebnissen und Reisen – sehr persönlich, sehr inspirierend.

Wie bleibst du mit Freunden, Familien und Co. in Kontakt?
Das ist ja heute gar kein Problem mehr. Dank Freundeskreis-Gruppe auf WhatsApp und Facebook bekomme ich normalerweise alles mit, was passiert, und habe dank Smartphone auch unterwegs immer die Möglichkeit, Dinge zu teilen. Selbst meine Eltern wissen mittlerweile, wie man über WhatsApp telefoniert. Das einzige, was etwas nervt, sind die sieben Stunden Zeitverschiebung – das verbindet Telefonate immer mit viel Planungsaufwand.

»Mit Freunden und Familien in Kontakt zu bleiben, ist heute gar kein Problem mehr.«

Wenn du auf Reisen bist: Was darf nicht im Gepäck fehlen?
Das kommt wohl darauf an, wo es hingeht und was geplant ist. Ich glaube, bis auf die stinknormalen Basic-Sachen wie Zahnbürste und Unterwäsche habe ich wohl nichts, was immer dabei ist.

Von dem, was du bereits gesehen hast: Was sollte man sich in Ecuador auf keinen Fall entgehen lassen?
Quito ist eine spannende und gleichzeitig sehr schöne Stadt. Hier befindet sich die größte und am besten erhaltene Altstadt Lateinamerikas, die noch dazu die erste war, die jemals zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde. Es gibt heute tolle Projekte der Stadt, um die Altstadt noch sehenswerter zu machen – in der Straße La Ronda kann man zum Beispiel die Werkstätten alteingesessener Handwerker besuchen.

5 Comments

  • Reply
    Chrissie
    Mai 24, 2016 at 7:30 pm

    Ein großartiges Interview. Ich verfolge Arianes Reiseeindrücke schon eine Weile, schön durch die Fragen noch etwas mehr zu erfahren.

  • Reply
    Mara
    Mai 21, 2016 at 6:12 pm

    Klasse Interview! Südamerika finde ich ja sowieso wahnsinnig spannend und interessant! Eine Freundin von mir macht gerade in Chile ein FSJ und die Bilder die sie schickt sehen jedes Mal so grandios aus!

    Liebe Grüße!

  • Reply
    Mona
    Mai 16, 2016 at 10:54 pm

    So coole Eindrücke! Ecuador muss ich unbedingt mal sehen!
    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

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    Chamy travels...
    Mai 16, 2016 at 9:25 pm

    Oh, ich wusste gar nicht, dass Ariane im Moment in Ecuador ist. Muss unbedingt mal wieder auf ihrem Blog vorbeischauen, komm in letzter Zeit kaum zum Bloßlesen, da hab ich ja einiges verpasst… Auf alle Fälle sehr schönes und interessantes Interview. :-)

    Zu deinem Kommentar:

    Hallo Petra,

    nein ich verstehe dich schon und ich muss auch gestehen, dass mein CO2-Fußabdruck generell wohl sicher nicht der beste ist (obwohl ich eigentlich sonst fast nur öffentlich fahre / zu Fuß gehe etc.).
    Aber ja ich der Bloggerwelt ist echt recht normal geworden, dass man schnell mal wo eingeflogen wird und ich hatte es auch schon mal so, dass ich am selben Tag wo hin und auch wieder zurückgeflogen bin. :-/ Würde ich heute aus diversen Gründen nicht mehr machen und habe auch bei dieser Reise gezögert, ob es für mich Sinn macht teilzunehmen. Aber ich muss echt sagen, es hat sich gelohnt und ich würde jederzeit wieder zusagen. :-)

    Der Kurztrip (auch wenn es nur eine Übernachtung war), war nämlich tatsächlich sehr entspannt und absolut nicht stressig. Wie ich in meinem Text auch geschrieben habe, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass „Ruhe, Entspannung und Achtsamkeit“ in Einklang mit einem 36-Stunden-Mallorca-Trip steht. Aber das ist dem Team dort in der kurzen Zeit wirklich gelungen. :-) Selten so einen netten Bloggertrip gehabt, denn vielen Firmen geht es oft echt nur darum „schnell schnell“ ihr Programm runterzuspulen und in möglichst kurzer Zeit viel Infos unterzubringen. :-)

    Liebe Grüße zurück, Carmen

  • Reply
    Nici
    Mai 16, 2016 at 8:49 pm

    Wow…
    Der Berich ist wirklich klasse. So einen tollen Einblick und man könnte fast denken, man wäre dabei gewesen.
    Schön Geschrieben. Auch die Bilder sind gut gewählt für diesen Bericht. Schade dass es nur zwei sind ^^
    Ich finde auch die Idee des Interviews ne tolle Idee und ist mal was komplett anderes.

    liebe grüße

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